Filmkritik: "Through a Lens Darkly" : Schwarz auf Weiß

Die Dokumentation "Through a Lens Darkly" beobachtet die Fotografie der Afroamerikaner. Was mit Daguerreotypien von Sklaven und Nannys begann, wurde zum Erwachen eines neuen Selbstbewusstseins: Nie zuvor sahen unfreie Schwarze ihre Herren so direkt an, wie mit dem Blick in die Linse.

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Szene aus "Through a Lens Darkly": Wer fotografiert, dessen Blick nimmt Maß
Szene aus "Through a Lens Darkly": Wer fotografiert, dessen Blick nimmt MaßFoto: John Pinderhughes

Ein junger Mann zeigt sich der Kamera in der Uniform der Unionisten im amerikanischen Bürgerkrieg. Der Mann ist schwarz. Er hat im Sezessionskrieg für seine Freiheit gekämpft, nun steht er aufrecht da, den Blick nach vorn gerichtet. Nie, sagt Regisseur Thomas Allen Harris, hätten Schwarze ihre weißen Herren so direkt ansehen können wie in diesen Tagen des erwachenden afroamerikanischen Selbstbewusstseins.

Mit der brillanten Dokumentation „Through a Lens Darkly“ (Panorama) begibt sich Harris auf Spurensuche zur Geschichte der schwarzen Fotografen Amerikas. Fotos können Romane in maximaler Verdichtung sein. Im kollektiven Bilderpool der USA ist die Dynamik der Transformation nach dem Ende der Sklaverei kaum abgebildet; auch nach Kriegsende dominieren infantilisierende Repräsentationen, oder solche, die suggerieren, Schwarze seien „Wilde“. Wer fotografiert, wessen Blick nimmt Maß?

Deborah Willis von der New York University erforscht seit 35 Jahren schwarze Fotoarchive. Mit ihrer Hilfe rekonstruiert Harris die Wechselwirkung von Reflexion und Reflektion in der Darstellung, die der bis heute fragilen Identität von Afroamerikanern zugrunde liegt. Zu seinen Kronzeugen zählen neben historischen Persönlichkeiten auch zeitgenössische afroamerikanische Fotokünstler, Bildreporter, Sammler, Historiker; biografisches Material verschränkt sich mit zeithistorischem. Der Filmtitel bezieht sich auf den 13. Paulus-Brief an die Korinther: „Wir sehen jetzt durch einen Spiegel in einem dunklen Wort“. Eine doppelsinnige Hommage an die Kamera wie an die starke Rolle, die die egalitäre Botschaft des Christentums für Teile der schwarzen Community bei deren Emanzipation gespielt hat. Ein staunenswerter Film, den man am liebsten mehrmals sehen möchte. (nochmals heute, 17.30 Uhr ,Cubix 7)Caroline Fetscher

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