Kultur : Filmkritiker Roger Ebert gestorben

Ein „Daumen hoch“-Zeichen von Filmkritiker Roger Ebert war über Jahrzehnte entscheidend in Hollywood. Der amerikanische Kritikerpapst, der selbst zum Star wurde, ist tot. Ebert starb nach Angaben seiner Zeitung, der „Chicago Sun-Times“, am Donnerstag in Chicago. Der 70-Jährige hatte seit Jahren an Krebs gelitten. Viele Fans des Kritikers, von Barack Obama bis Oscarpreisträger Michael Moore, drückten ihre Trauer aus. Michelle und er seien über die Nachricht von Eberts Tod traurig, schrieb der US-Präsident: „Ohne Roger werden Filme nicht mehr dasselbe sein“, hieß es in einer Mitteilung aus dem Weißen Haus. Ebert hatte 46 Jahre lang für die Zeitung und mehr als drei Jahrzehnte im Fernsehen Filme kritisiert. Als erster Filmkritiker überhaupt gewann Ebert 1975 einen Pulitzer-Preis. Auch einen Stern auf dem Hollywood Walk of Fame hatte vor ihm noch keiner seiner Zunft. Dort wurden am Donnerstag Blumen niedergelegt. Auch als Drehbuchautor hatte der Kritiker eine Fangemeinde. 1970 schrieb er das Skript für Russ Meyers Erotik-Kultfilm „Blumen ohne Duft“ („Beyond the Valley of the Dolls“). Lobende Worte von Ebert waren begehrt, seine Verrisse aber auch gefürchtet. Für Wolfgang Petersens Katastrophenfilm „Poseidon“ fand er 2006 immerhin noch ein gutes Wort. „Petersen war nicht mit ganzem Herzen bei der Sache. Er ist viel zu klug, um die Story als erstklassiges Material anzusehen, und er ist einfach ein zu guter Regisseur, um daraus unterhaltsamen Müll zu machen.“ Auch „Sieben Leben“ (2009) mit Will Smith fand Gnade: „Manche werde den Film bemängeln, weil er emotional manipuliert. Andere wollen emotional manipuliert werden. Dazu gehöre ich – zumindest wenn der Film gut gemacht ist.“ Über Michael Hanekes oscarprämiertes Altersdrama „Liebe“ schrieb Ebert: „Altern ist nichts für Feiglinge – auch dieser Film nicht.“ dpa

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