Filmleute : Mysterium Madonna

Die Diva speist am Gendarmenmarkt, einer ihrer Schauspielerkollegen präsentiert sich als Künstler, und junge Talente sind auf dem Sprung.

Gastspiel. Madonna besuchte nachmittags ein Lokal in Mitte.
Gastspiel. Madonna besuchte nachmittags ein Lokal in Mitte.Foto: Reuters

LOKALTERMIN MIT MADONNA

Zu den Schwierigkeiten der Wochenendjagd auf Madonna gehörte der Umstand, dass es eines ihrer potenziellen Ziele in der Stadt zweimal gibt: die Galerie „Peres Projects“, die für den Samstag die Vernissage einer Ausstellung des US-Schauspielers James Franco avisiert hatte. Er ist auch als bildender Künstler aktiv und angeblich mit Madonna befreundet. Allerdings, „The Dangerous Book Four Boys“ wird in beiden Berliner Niederlassungen der auch in Los Angeles ansässigen Galerie gezeigt, an der Schlesischen Straße 26 in Kreuzberg und an der Großen Hamburger Straße 17 in Mitte. War sie nun hier oder dort? War sie überhaupt da? Sonntags schwer zu klären, da haben beide Orte geschlossen. Immerhin steht fest, wo Madonna am Sonnabend vor Filmhändlern und -verleihern Ausschnitte aus ihrer zweiten Regiearbeit „W.E.“ gezeigt hat: im Cinestar am Potsdamer Platz, wie IM Global, Weltvertrieb des Films, bestätigte. Es sei ein großer Erfolg gewesen, wurde versichert, auf die Frage nach der Aufenthaltsdauer Madonnas in Berlin hieß es nur knapp: „No comment.“ Am Sonntagnachmittag schaute sie zumindest noch in der „Brasserie am Gendarmenmarkt“ vorbei. Andreas Conrad

KARRIERESTART BEIM KRIPPENSPIEL

Das Allerschönste beim Drehen? Rafael Koussouris, acht Jahre, fällt erst nichts ein, dann dies: „Wenn eine Szene geklappt hatte, bekam ich gleich frei.“ Und auch wer ihm die Rolle des kleinen Cenk in „Almaya“ verschafft hat, erzählt er unbefangen. Das sei in seiner Münchener Schule die Frau gewesen, bei der man immer anrufen muss, wenn man krank ist. Die habe gesagt, dass eine Filmfirma einen Jungen mit südländischem Hintergrund suche. Und den hat er, mehr griechisch statt türkisch, aber mit Urgroßmutter aus Istanbul. Es war sein erster Auftritt vor der Kamera, aber kleine Rollen gespielt hat er schon vorher. Sein Debüt: „Das war in der ersten Klasse, beim Christusgeburtsspiel. Ich war der erste Wirt.“ Ein hartherziger Mann, der Maria und Josef aus dem Haus weist. Bei der Premiere im Berlinale-Palast am Samstagabend hatte Rafael, der sehr gern noch mal schauspielern würde, einen Extra-Applaus bekommen, auch bei der Party in der früheren Sparkasse im alten Tagesspiegel-Haus an der Potsdamer Straße gab es viel Schulterklopfen. Das dränge dort war wohl auch Madonna zu verdanken, die einem Gerücht zufolge kommen wollte, was sie aber nicht tat. Doch auch ohne sie lief die Party mit der Filmcrew um Regisseurin Yasemin Samdereli rund. Mit dabei: Katharina Thalbach, die im Film eine Minirolle als ausländerfeindliches Biest hatte, und tags darauf wieder feierte: Sie erhielt in der Landesvertretung Brandenburg den vom Progress-Filmverleih vergebenen Paula-Preis für Verdienste um den deutschen Film, samt Laudatio von Matthias Platzeck. Andreas Conrad

VERTRAUTES TERRAIN VERLASSEN

Die Atmosphäre im HAU 1, dem Hebbel am Ufer, kann man am besten mit einem Filmtitel beschreiben: „Alles auf Anfang“. Während vor dem Berlinale-Palast die Stars der Gegenwart aufmarschieren, haben sich hier die Namen der Zukunft versammelt zur Eröffnung des Talent Campus und Weltpremiere der Finalisten für den Berlin Today Award 2011. Noch steht die Sache selbst im Mittelpunkt, nicht die Selbstinszenierung. Matthijs Wouter Knol und Christine Tröstrum, die Leiter des Talent Campus, treten auf die Bühne, erzählen von rund 1000 Bewerbern aus 100 Ländern. Davon haben es 350 Talente aus 88 Ländern geschafft. Von Afghanistan bis Vietnam sind sie nach Berlin gekommen, um mehr zu lernen übers Filmemachen. Wie die Campus-Leiter begrüßt auch Berlinale-Chef Dieter Kosslick besonders diejenigen, die Mühe hatten, überhaupt nach Berlin zu kommen. „Filmemacher können ihre Kreativität nutzen, indem sie zeigen, was sie denken, wovon sie träumen. Wir wollen ihre Positionen sehen.“ Die Filme handeln davon, vertrautes Terrain zu verlassen: „Leaving the Familiar Sector“. Als die Gewinner auf die Bühne treten, haben sie eine Hürde auf dem Weg zum Berlinale-Palast schon genommen. Kyoko Miyake erklärt in der japanisch-britischen Dokumentation „Hackney Lullabys“ die Bedeutung von Wiegenliedern fürs Heimatgefühl in der Fremde. Der Ire Michael Lavalle hat im Mini-Thriller „Mummy’s Little Helpers“ den Horror der Magersucht beschrieben, die Rumänin Eva Pervolovici zeigt die surreale Annäherung eines Mädchens an die Erotik der Erwachsenen. Tristan Daws und Toby Roberts waren mit jeweils einer englischen Doku dabei. Dazu passt das Eingangs-Bonmot von Dieter Kosslick: „Niemand spricht Englisch außer den Engländern.“ Elisabeth Binder

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