Filmleute : Rasend und preiswürdig

Dass sie von Chauffeuren in den schicksten Limousinen zu Partys kutschiert werden, sind viele Promis nicht nur während der Berlinale gewohnt. Umso mehr genossen sie es deshalb, am Dienstagabend endlich mal wieder selbst aufs Gaspedal treten zu dürfen.

Auf der Go-Cart-Bahn in Marzahn trafen sich die jungen Vertreter der Film- und Fernsehbranche zum Cart Cup – und nahmen gleichzeitig eine Auszeit fernab vom Glamour: statt Anzug und Abendrobe waren Jeans und T-Shirt angesagt, statt Parfüm lag der Geruch von Benzin und heißem Gummi in der Luft. Und seit langem war bei dem traditionellen Berlinale-Event Spannung an der Rennstrecke angesagt: Nachdem er in den vergangenen drei Jahren jeweils den „Großen Preis von Berlin“ gewonnen hatte, fuhr Schauspieler Tom Schilling außer Konkurrenz, um auch seinen Kollegen eine Chance zu gewähren. Rennfahrerin Christina Surer und Ex-Formel-1-Fahrer David Coulthard gaben vorab Tipps und der zeigte sich von den Fahrkünsten der Schauspieler angetan: „Da kann ja selbst Michael Schumacher noch was lernen“, sagte Coulthard. Nach einer Proberunde entschied Nora Tschirner jedoch, Schumacher lieber nicht nacheifern zu wollen, war dafür aber im grauen Overall motorsportmäßig gut gekleidet, auch Sarah Kuttner beschränkte sich aufs Zuschauen. Wilson Gonzalez Ochsenknecht und Elyas M’Barek versuchten dagegen ihr Glück, verloren aber gegen Stephan Luca, der schnellster Schauspieler wurde. Bei den Produzenten siegte Hayo Bihler, bei den Regisseuren Marc Rothemund. Den „Großen Preis von Berlin“ gewann Peter Baumann von den Beatsteaks. Auf dem Heimweg durften sich die Promis dann wieder entspannen – die Chauffeure setzten sie vor der Haustür ab. sop

Mit kurzen Auftritten kennt sich Oliver Korittke aus, schließlich hat er schon 1974 in einer Folge der Sesamstraße mitgespielt, da war er sechs Jahre alt. Heute Abend soll der Berliner andere Mini-Produktionen bewerten – als Jurymitglied der 99-Fire-Film-Awards im Admiralspalast. Die Auszeichnung, die zum zweiten Mal am Rande der Berlinale vergeben wird, ehrt junge Filmemacher, die einen Beitrag von maximal 99 Sekunden Länge eingereicht haben. Das vorgegebene Oberthema lautete „Der böse Rost gegen den guten Zink“. Für ihr Werk hatten die 750 Teilnehmer – darunter viele Studenten, Werber und Hobbyregisseure – von der Drehbuchplanung bis zum Schnitt insgesamt nur 99 Stunden Zeit. Neben Korittke gehören die Schauspielerinnen Simone Thomalla und Bettina Zimmermann der Jury an, das Preisgeld beträgt 9999 Euro. Und weil es die meisten eingereichten Filme aufgrund ihrer Kürze niemals ins reguläre Kino schaffen werden, wollen die Veranstalter zumindest die neun besten Filme ab heute Abend um 23 Uhr auf Internetseite www.99fire -films.de zum kostenlosen Anschauen bereitstellen. sel

Nun hat „Der Aufenthalt“, Frank Beyers Film von 1983 nach einem Drehbuch von Wolfgang Kohlhaase, es doch auf die Berlinale geschafft. Dort sollte er schon damals gezeigt werden, doch nach Protesten Polens zog die DDR den Film über einen deutschen Soldaten in einem polnischen Gefängnis zurück. Gestern Abend gab der damals in seiner Heimat politisch ungeliebte Film im Kino International den Rahmen für die Ehrung Kohlhaases mit einem Goldenen Bären fürs Lebenswerk, mit dem er vor allem als Autor, aber auch als Regisseur das Filmschaffen der Defa stark geprägt hat, mit Filmen wie „Berlin – Ecke Schönhauser“, „Solo Sunny“ oder auch „Sommer vorm Balkon“. Heute gibt es am selben Ort erneut den Ehrenbären: Diesmal heißt die Preisträgerin Hanna Schygulla, anlässlich „Lili Marleen“. ac

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