Filmregisseurin Sonja Heiss : Am besten gleich zum Therapeuten

Eine Komödie über Panikattacken? Das geht! Begegnung mit Sonja Heiss, der Regisseurin von „Hedi Schneider steckt fest“.

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Die Berliner Filmregisseurin und Autorin Sonja Heiss.
Die Berliner Filmregisseurin und Autorin Sonja Heiss.Foto: Mike Wolff

Als Sonja Heiss im vergangenen Sommer einen Kurzaufenthalt in Pisa hatte und inmitten der fotografierenden Touristenmassen vor dem Wahrzeichen der Stadt stand, ging ihr die Strahlkraft des Scheiterns auf: „Was für eine Metapher“, dachte sie. Wäre dieser Turm nicht abgesackt, was ja ursprünglich nicht wirklich bejubelt wurde, würde heute kaum ein Mensch nach Pisa reisen. „Die Stadt floriert, nur weil da was schiefgegangen ist“. Der Punkt ist: Bei Heiss klingt das nicht nach Motivationsseminar für gestresste Manager, denen vorgebetet wird, dass im Chinesischen das Wort für Krise auch Chance bedeutet. Sie beschreibt vielmehr einen persönlichen Katastrophenbewältigungstrost, den sie in den vergangenen Jahren erfolgreich erproben konnte: „Wenn mir was Schlimmes oder Unangenehmes passiert, sage ich mir: Wenigstens kann ich’s aufschreiben“.

Der jüngste Film der 1976 in München geborenen Regisseurin und Autorin Sonja Heiss trägt den schönen Titel „Hedi Schneider steckt fest“ und erzählt von einer Frau, die ziemlich unversehens in die Krise rutscht. Hedi (umwerfend von Laura Tonke gespielt) hat einen doofen Job in einer Reiseagentur, wo sie mit ihrem Kleid im Look einer Siebziger-Jahre-Blümchentapete schon äußerlich aus dem Rahmen fällt. Sie hat einen netten Freund namens Uli (Hans Löw), der für eine NGO nach Afrika gehen will, um eine Schule aufzubauen. Und einen kleinen Sohn, mit dem sie hingebungsvoll Tiere erlegen spielt. Das durchaus mehrheitsfähige Stressleben junger Großstädter. Nur ist es bei Hedi mit der Normalität vorbei, als sie beim Sex auf dem Küchenboden plötzlich eine Panikattacke erleidet. Und die Angst einfach nicht mehr weggehen will.

Sonja Heiss hat sich als Regisseurin vor allem 2007 mit ihrem ersten, vielfach ausgezeichneten Langspielfilm „Hotel Very Welcome“ einen Namen gemacht. Dieser absurd-philosophischen Komödie über Fernreisen, die das Sinnvakuum füllen sollen. Über den Fluchtimpuls, der verkorkste Westler nach Indien oder Thailand treibt, wo sie dann „ein Stück weit auch eine Enttäuschung“ verspüren, wenn die Einheimischen sie um Geld angehen. Als Heiss ihren nächsten Film zu schreiben begann, interessierte sie hingegen als Grundfrage: „Was passiert mit der Liebe, wenn einer der Partner plötzlich ein anderer Mensch wird?“ Sie wusste noch nicht genau, was Auslöser der Wesensveränderung sein sollte, vielleicht eine Depression, eine bipolare Störung, Alkoholismus? Dann erlitt sie selbst eine Angst- und Panikstörung. „Okay“, dachte sie, „damit kenne ich mich jetzt aus“.

Heiss erzählt "Hedi Schneider steckt fest" frei nach dem eigenem Leben

„Hedi Schneider steckt fest“ ist trotzdem kein pur autobiografischer Film. Eher frei nach dem eigenen Leben. Heiss erzählt darin von einer Krankheit, die, wie sie inzwischen weiß, rund fünf Millionen Deutsche jährlich trifft. Man hört von Angsterkrankungen bloß nicht so viel wie beispielsweise vom allgemein anerkannten Burn-out, „für den man hart geackert hat“, wie die Regisseurin scherzt. Wobei Burn-out ja schlicht eine Form der Depression bezeichne.

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