Kultur : Filmst du mich, schlag ich dich

Christina Tilmann

Einen Film über den Monat August wollte Avi Mograbi drehen, weil dieser Monat alles verkörpert, was ihm an seinem Land verabscheuenswürdig erscheint: "Es ist ein völlig unnötiger Monat, der zu nichts nütze ist und zu nichts führt." Stattdessen ist "August" ein Film über das Scheitern des Filmens geworden. Denn während Mograbi sich aufmacht, die drohende Gewalt im Lande zu filmen, zeigt sich immer deutlicher, dass Israel ein Land ist, in dem man nicht filmen kann.

Berlinale 2002 Online Spezial: Internationale Filmfestspiele
Tagesspiegel:
Alle Berichte, Reportagen, Rezensionen
Gewinnspiel: meinberlin.de verlost Filmbücher
Fotostrecke: Stars und Sternchen auf der Berlinale
"Für wen drehst du?" ist die Frage, die Mograbi sofort gestellt wird, sobald er irgendwo auftaucht. Der Anblick der Kamera scheint die gesammelte Paranoia eines Landes im Kriegszustand hervorzurufen. Gleichgültig, ob Mograbi Demonstranten, Soldaten, Fussballfans, Arbeiter auf der Straße, Kinder im Ghaza-Streifen oder eine politische Versammlungen filmen will: Regelmäßig kommt es zu Auseinandersetzungen, Polizei und Militär greifen ein und häufig geht die Kamera dabei zu Bruch.

Wären es nur diese verwackelten Bilder einer missglückten Berichterstattung, "August" wäre ein eindrucksvoller Lagebericht aus Israel geworden. Aber Mograbi, der mit "Happy Birthday, Mr. Mograbi" 1999 eine selbstreflexiv-witzige Etüde über das Scheitern eines Projekts gedreht hat, will an diesen Erfolg anknüpfen und erfindet eine alberne Rahmenhandlung, deren Rollen (Ehefrau, Filmproduzent und Regisseur) er alle übernimmt.

0 Kommentare

Neuester Kommentar