Kultur : FILMTIP DER WOCHE

KERSTIN DECKER

Zigeunerfilme sind immer Gratwanderungen am Abgrund des Folkloristischen.Glutäugige Schöne und lose sitzende Messer, so das Klischee.Gadjo Dilo ("Geliebter Fremder") des in Algerien geborenen und in Paris lebenden Tony Gatlif dreht die Perspektive um: Ein junger Franzose im unwirtlichen Rumänien auf der Suche nach einer Sängerin.Er erfährt sich als Eindringling in die Welt der Roma.Deren Fremdheit unter den Rumänen wird seine eigene.Am Ende zieht er selbst wie ein Nomade weiter.Ein nicht perfekter, aber einprägsamer Film über die heilsame Entdeckung des Fremden in uns selbst.Emir Kusturica, vielleicht im Moment Europas exaltiertestes Filmgenie, inszenierte seine Zeit der Zigeuner mit surrealer Intensität.Aus dem kompromißlos-harten Kamerablick und der artistischen Komposition filmischer Einfälle entsteht eine Welt jenseits der Vor- und Rücksichten.Ein großer Skeptiker und ein großer Träumer.Dabei kein bißchen selbstgerecht.

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