Kultur : Filmtip der Woche

CHRISTINA TILMANN

Winter, Regen, Nacht. Kälte, Angst, Einsamkeit. So häßlich, so unfreundlich und dabei so vertraut wie in Andreas Dresens "Nachtgestalten" war sie lange nicht mehr, diese Stadt, in der wir leben, die wir lieben und an der wir trotzdem leiden, manchmal. Bis der Film, der auf der Berlinale und unlängst beim Deutschen Filmpreis gefeiert wurde, schließlich dann in die Berliner Kinos kommt, muß sich der Zuschauer allerdings noch bis zum 12. August gedulden - es sei denn, er wagt den Ausflug nach Potsdam, wo das diesjährige Filmfest heute abend mit "Nachtgestalten" eröffnet wird.

Zurück in die nahe Vergangenheit und weg aus Berlin führt dagegen der erste Film des Regisseurs. Stilles Land, die tragikomische Geschichte eines jungen, ehrgeizigen Theaterregisseurs, der als erstes Projekt am Stadttheater Anklam Becketts "Warten auf Godot" inszenieren will, dabei aufläuft gegen den passiven Widerstand des längst resignierten Ensembles und schließlich von den Wende-Ereignissen überrollt wird, ist vieles zugleich: Theatergeschichte, Entwicklungsroman, Realsatire, Liebes-, Polit- und Geschichtsdrama. Vor allem, und das eindringlich genug, ist es ein unaufgeregter Deutschland-Film, ein Film über jenes stille, versunkene Land namens DDR, dessen Trümmer noch heute spürbar sind und schmerzen. Bitte nicht vergessen.

(Arsenal, heute, 21 Uhr)

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