Kultur : Filmtipp: Das weiße Rauschen

Christiane Peitz

Vielleicht hat "Beautiful Mind" ja so viele Oscars bekommen, weil der Film über das schizophrene Mathe-Genie John Nash seine Zuschauer so beruhigend schön draußen lässt. Nur eine kurze Zeit, vielleicht fünf Minuten lang, irritiert er unsere Wahrnehmung. Ist, was wir da sehen, nun eine Kopfwahngeburt oder doch eine internationale Verschwörung? Und dann ist es schon wieder vorbei: alles nur Einbildung. Dabei gehen wir doch eben wegen der Einbildung ins Kino, auf dass uns vor lauter Verunsicherung die Augen weniger auf-, als übergehen. Und wegen Filmen wie Das weiße Rauschen.

Lukas heißt dessen jugendlicher Held, er zieht vom Sauerland zur Schwester nach Köln, und er hört Stimmen. So eindringlich wispernd, so millimeterdicht unter der Kopfhaut, dass sie unsere eigenen Tagtraum-Gespenster herbeibeschwören: die Wut, die Verzweiflung, die gottverdammte Sehnsucht, die, wenn wir sie nur ließen, jede Weltordnung, jeden Lebensplan sprengen könnte. Es stimmt ja gar nicht, dass wir alles im Griff haben. Wir verwenden nur ziemlich viel Energie darauf, dass uns bloß nichts entgleitet, schon gar nicht das eigene Selbst. Hans Weingartners Studentenfilm ist auch deshalb ein kleines Meisterwerk, weil er die Besessenheit nicht einfach zeigt, sondern selbst von ihr angegriffen ist: "Das weiße Rauschen" ist ein wahnsinniges Kunststück der Montage. Eine Verschwörung der Sinne.

(Moviemento, Sputnik am Südstern)

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