Kultur : Filmtipp der Woche: Azzurro

Peter von Becker

Tritt nie mit Tieren oder mit Kindern auf! Das ist eine der ältesten Schauspieler-Regeln: weil die Viecher oder die Kleinen einem beim Publikum sofort die Show stehlen. Und am Anfang von Denis Rabaglias wunderbarem kleinen Film Azzurro denkt man glatt, Italiens schwergewichtiger alter Komödiant Paolo Villagio habe hier als Opa keine Chance gegen seine Enkelin. Denn das Kind ist nicht nur ein Kind, es ist auch blind! Doch Villagio schafft es, indem er für das Kind und die Zuschauer der behutsame, durch kein tragikomisches Missgeschick beirrbare Geleiter bleibt durch ein modernes Märchen. Mit Paolo Contes "Azzurro" im Ohr und einem italienisch-schweizerischen Winter vor Augen folgen wir Großvater und Enkelin in eine am Ende sehend machende Reise von Bari nach Genf und zurück, eine Zeitreise in die Ära der Nachkriegsgastarbeiter, in die verlorene Jugend und eine unmögliche, überdauernde Liebe. Diese Winterreise ist das reine Sommervergnügen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben