Kultur : Filmtipp der Woche

Am 3. Juni im Arsenal

Fassbinder, wie er im Bademantel telefoniert und dabei an seinem Schwanz spielt. Die schmuddelige Münchner Wohnung im Halbdunkel. Eine Politdebatte über die Sympathisanten-Hatz als Prügelei im Flur. Fassbinders Panik, seine radikale Selbstentblößung. Das Interview mit seiner Mutter, die sich für Deutschland einen lieben, autoritären Herrscher wünscht. Die Beklemmung eines ganzen Landes in den eigenen vier Wänden: Alle anderen Beiträge für den Episodenfilm Deutschland im Herbst - Schlöndorffs "Antigone"-Theater, Kluges Beerdigungs-Bilder - sind mittlerweile verblasst. Seine Kollegen demontieren die anderen, die Politik, die Gesellschaft. Fassbinder demontiert sich selbst. Heute ist die bleierne Zeit der Schleyer-Entführung, das RAF-Jahr 1977 längst ein Stück Geschichte, Filmstoff für junge Regisseure: für Petzold, Veiel, Christopher Roth. Fassbinder verweigert sich der Historisierung - 20 Jahre nach seinem Tod.

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