Kultur : Finale dubioso

Berlins Parlament stimmt der Opernstiftung zu

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Schwere Geschütze vor dem Berliner Abgeordnetenhaus: Absperrungen, Panzerwagen Sicherheitskontrollen. Der Grund: die Studentenproteste und die aktuelle Stunde gleich zu Beginn der gestrigen Plenumssitzung unter dem Motto „Wer heute an den Studienplätzen spart, klaut Berlin die Zukunft“. Nicht dass die Formulierung sich nicht auch auf die Opernsituation übertragen ließe. Als es aber an die Beschlussfassung des Opernstiftungsgesetzes geht, hat sich die Lage vor dem Haus doch längst merklich entspannt.

Entspannung und Erleichterung auch im Plenarsaal. Erwartungsgemäß wird das Gesetz mit den Stimmen der SPD/PDSKoalition beschlossen. Demnach werden Staatsoper, Deutsche Oper und Komische Oper ab 1. Januar 2004 als drei eigenständige GmbHs unter dem Dach einer gemeinsamen Stiftung geführt, ergänzt durch eine Bühnenservice-GmbH und ein gemeinsames Ballett. Erwartungsgemäß auch letzte Kritik und Änderungsanträge der Opposition. Alice Ströver, kulturpolitische Sprecherin von Bündnis90/Die Grünen, mahnt an, dass das Gesetz wichtige Probleme umginge – die Frage der Altschulden beispielsweise (bis Jahresende müssen 8,5 Millionen Euro getilgt werden, um der Stiftung einen schuldenfreien Start zu garantieren), den Ausschluss von Querfinanzierungen sowie das ungelöste Ballett-Problem. Außerdem, so Ströver, sei das Personal der drei Häuser zu keiner Zeit mit „auf den Weg“ genommen worden.

Brigitte Lange (SPD) bedankt sich zunächst bei Kulturstaatsministerin Christina Weiss, die durch den Hauptstadtkulturvertrag die Opernstiftung erst ermöglicht habe. Im Übrigen verweist sie auf die Aktion „Genossen in die Oper“, mit der die SPD künftig zur Einnahmenssteigerung der Opernhäuser beitragen wolle. Monika Grütters (CDU) betont, dass die Bedenken ihrer Partei auch durch Nachbesserungen nicht zerstreut werden konnten. Demnach wirdzwar der Haushaltsvorbehalt aus dem Fünfjahresvertrag zwischen dem Land Berlin und der Stiftung getilgt, allerdings nur, um diesen durch eine „Zustimmung des Abgeordnetenhauses“ zu ersetzen. Ablehnung der Opposition also, auch mit den Stimmen der FDP.

Und was sagen die Betroffenen? Das Gesetz beschreibe einen Weg „vom Ich zum Wir“, freuen sich Peter Sauerbaum und Heinz-Dieter Sense von der Deutschen Oper, jetzt gelte es, das Ganze „mit Leben zu füllen“. Auch Andreas Homoki, der Intendant der Komischen Oper, zeigt sich erleichtert, dass alle Spekulationen nun ein Ende haben und „wir wieder an die Arbeit gehen können“. Einzig Peter Mussbach mauert. Er habe seine Meinung zur Opernreform im „FAZ“-Interview vergangene Woche geäußert (wonach der Bund die Lindenoper übernehmen möge). Trotzdem werde er weiterhin versuchen, „das Beste für das Publikum, die Staatsoper, für Berlin und für die Kunstform der Oper hervorzubringen und zu fördern“. lem

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