Kultur : Finale!

Die Künstlerfamilie auf der ABSCHLUSSGALA

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Na endlich, es wurde auch Zeit. Der letzte Bär ist vergeben, der ehrenvollste, der goldene, und nun, kurz vor Schluss, nimmt die Gala tatsächlich noch Fahrt auf, reißt es das Team um Asghar Farhadi von seinen Sitzen – und das Publikum in der näheren Umgebung gleich mit. Jubelrufe, stürmischer Applaus, allgemeines Einverständnis, dass der Beitrag aus dem Iran, nach den beiden Silberbären für die Schauspieler, nun auch noch die Ehrung für den besten Film erhalten hat.

Ausgerechnet der Iran. Das Land, das Jury-Mitglied Jafar Panahi nicht ausreisen ließ, sondern verfolgt. Wie schon die Eröffnungsgala wird auch die Schlussfeier plötzlich zur Bekundung der Solidarität, zur Anteilnahme am Schicksal des Regisseurs, an den Dieter Kosslick am Anfang erneut erinnert hat. Über einen Freund Panahis habe er erfahren, wie sehr diesen die Anteilnahme in Berlin berührte. „Ich weiß nun,“ habe Panahi gesagt, „dass kein Künstler auf der Welt mehr einsam ist, wenn er zu dieser Familie gehört.“

Noch einmal fällt sein Name an diesem Abend, denn auch Farhadi, der Mann mit dem Goldenen Bären, erinnert an den Kollegen: Nie hätte er gedacht, dass er diesen Preis erringen würde, und jetzt sei eine gute Gelegenheit, an „die Menschen in meinem Land“ zu denken, „ein großes und geduldiges Volk“. Und er hoffe, dass Panahis Probleme gelöst werden und er im kommenden Jahr hier stehen könne.

So fand die Gala doch noch einen glanzvollen, sogar berührenden Abschluss, während sie sich anfangs recht zäh entwickelt hatte. Es dauerte ungewöhnlich lange, bis Moderatorin Anke Engelke und vor allem Dieter Kosslick Tritt gefasst und zum gewohnten Wortwitz gefunden hatten. Das Publikum, darunter Diane Kruger, Michael Ballhaus, Katrin Saß, Frank-Walter Steinmeier und Klaus Wowereit, konnte sich immerhin rasch auf einen flotten Verlauf einstellen.

Die Jury-Begründungen möge man auf der Berlinale-Homepage nachlesen, hatte Anke Engelke geraten und nach den ersten Preisen und den knappen Dankesworten zutreffend befunden: „Das wird ein kurzer Abend.“ Das Gros der Preisträger gab sich seltsam verhalten und wortkarg, kaum mal so etwas wie Überschwang, nur einmal wurde der Eltern dankend gedacht. Die kürzeste Dankesrede, wahrscheinlich sogar in der Geschichte der Berlinale, hielt Béla Tarr, der den Großen Preis der Jury erhielt. Nicht ins Mikro, nur so en passant: „Thank you.“Andreas Conrad

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