Finanzkrise : Kunst und Krise

Die Finanzkrise kommt langsam in der deutschen Kulturszene an. Setzen Unternehmen ihr Kultursponsoring aus?

Armin Leidinger

Die Finanzkrise trifft es Museen in Frankfurt am Main. Max Hollein, Leiter der Schirn Kunsthalle, des Städel Museums und des Liebighauses, hatte es mit allen drei Häusern auf die Spendenliste der Investmentbank Lehman Brothers geschafft. Nach deren Bankrott fehlt im Jahresetat der Museen eine Summe im fünfstelligen Bereich.

Angesichts der Rezessionsangst wird der Wettbewerb um Sponsorengelder im Kulturbereich härter. Dennoch: Auf Nachfrage wird betont, dass bestehende Verträge nicht zur Disposition stehen. Zu groß wäre der Imageverlust. Entspannt gibt man sich bei der Deutschen Bank. Vor allem die mittel- und langfristigen Projekte sind sicher. Aufatmen kann das Educationprojekt „Zukunft@BPhil“, in dem die Berliner Philharmoniker Jugendliche an Klassik heranführen. Auch die „Deutsche Guggenheim“ braucht nicht um Deutsche-Bank-Gelder zu bangen: Der Vertrag wurde 2007 um fünf Jahre verlängert. Allerdings: „Die Entscheidung über Einzelspendenanfragen“, so ein Sprecher, „orientiert sich an der Geschäftsentwicklung des Unternehmens“. Noch deutlicher ist die Aussage der KfW Bankengruppe, einem der Hauptpartner von „young.euro.classic“. Zwar versichert auch die Sponsoring-Beauftrage Felicitas von Brevern, dass langfristige Verträge eingehalten werden. Neue Zusagen werden zurzeit jedoch nicht gegeben.

Eine solche Zurückhaltung bringt Kulturveranstalter, die nach neuen Sponsoren suchen, in Schwierigkeiten. Das bestätigt Carol Corelou, die bei den Berliner Festspielen für die Akquise zuständig ist. Potentielle Sponsoren seien in eine Art Schockstarre verfallen. Was bedeutet, dass aktuell keine Entscheidungen getroffen werden. Immerhin brechen auch den Berliner Festspielen keine langfristigen Partner weg.

Wenn sich viele Veranstalter um wenige zahlungswillige Sponsoren streiten, schlägt die Stunde der Kultursponsoring-Agenturen. „Causales“ etwa, ein Vermittler zwischen Kulturinstitutionen und potenziellen Geldgebern, ist stärker gefragt als noch im ersten Halbjahr.

Im Wettbewerb um die Sponsoren hat Berlin nach Einschätzung von Richard Gaul einen „Hauptstadtbonus“. Gaul sitzt in Beiräten mehrerer Berliner Kulturinstitutionen. Er geht davon aus, dass die Finanzkrise sich in Berlin weniger stark auswirken wird als in anderen deutschen Städten. Die Berlinale beispielsweise teilt mit, dass die Verträge mit den Hauptpartnern L’Oréal, VW und ZDF für 2009 abgeschlossen sind. Auch für das Festival 2010 habe man eine „stabile Lage“.

Wie stark sich die Krise auf die Berliner Kulturszene auswirken wird, hängt davon ab, wie lange die aktuelle Schockstarre andauert. Spätestens bis Mitte Dezember dieses Jahres, sagt Gaul, müssen die Entscheidungen für das Jahr 2009 getroffen sein. Sonst wird es für die betroffenen Kulturveranstaltungen eng. Armin Leidinger

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