Kultur : Finissagen

Katrin Wittneven

empfiehlt letzte Augenblicke Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne. Gerade in der Kunst gilt die Devise, dass die Besucher besonders zum Auftakt einer Ausstellung strömen – proportional mit den dort gereichten kühlen Getränken. Insbesondere in Zeiten eines aufgeregten Kunstmarktes zählt es, der Erste zu sein – der ein Werk bemerkt, bespricht oder besitzt. Dieser Hysterie kann der Besucher entkommen, wenn er es sich zum Prinzip macht, Ausstellungen an ihrem letzten Tag zu besuchen – denn dazwischen, so lautet ein Mysterium des Ausstellungswesens, schafft es kaum jemand. Der Galerist Jan Wentrup , einer der interessantesten Neuzugänge der Berliner Szene, kann dem heutigen Ende seiner Ausstellung mit Gemälden von Axel Geis gelassen entgegensehen (Choriner Straße 3). Er hat mit den seltsamen Bildern des 1970 geborenen Malers den richtigen Nerv getroffen. Die Ausstellung ist fast ausverkauft; bei Preisen zwischen 600 und 4000 Euro kaufen Sammler offenbar lieber spontan, bevor sie am Ende noch etwas verpassen. Vielleicht hat sich aber auch einfach eine Fangemeinde für diese ebenso spröden wie fesselnden Gemälde formiert, was nicht verwundern würde. Seltsam vertraut wirken die Motive: der Mann im weißen Hemd, der stolz ein Baby auf dem Arm hält, oder der Mittvierziger im Smoking – hat nicht jeder solche Bilder in alten Fotoalben? Auch Geis hat sie auf dem Dachboden gefunden und zu Chiffren des kollektiven Gedächnisses gewandelt.

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Unbedingt sehenswert ist auch die Begegnung von Roger Ackling und Hanns Schimansky in der Galerie Inga Kondeyne (Hackesche Höfe, Hof V). Der Brite brennt mit Hilfe von Sonne gerade Stiche auf gefundene kleine Holzstücke, der in Berlin lebende Deutsche lässt seine Graphitlinien dagegen ein irrlichterndes Eigenleben führen. Gerade in Schimanskys kleinen Formaten (ab 450 Euro) wird die Verwandtschaft zu Schriftzeichen und Noten deutlich. Heute erklingt hier der Schlussakkord.

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