Kultur : First Call

Was reizt Berlins Junggaleristen an Brüssel?

Nicole Büsing[Heiko Klaas]

Brüssel: Champagner statt Kölsch, eine Kunstmesse im Schatten des renovierten Atomiums statt im hintersten Winkel eines Messegeländes. Beim Vergleich zwischen den nahezu parallel stattfindenden Kunstmessen Art Cologne und Art Brussels zieht Köln in vieler Hinsicht den Kürzeren. Nicht nur im biederen Äußeren der Kölner Traditionsmesse, an deren Eingängen Hostessen mit grünen Hütchen stehen. Auf der Art Brussels lockte derweil im Eingangsbereich ein frecher Verkaufsshop des belgischen Künstlers Wim Delvoye mit einem Set kuriosen Inhalts: der Künstler als Barbie, ein tätowiertes Schwein und ein Mini-Verdauungsapparat. Zusammen gab es das für 249 Euro.

Die Vernissage der 26. Art Brussels war gut besucht. „Die Belgier sind gediegen und zurückhaltend“, hat Galerist Alexander Duve aus Berlin beobachtet. Gleich nebenan zieht sein Kollege Martin Mertens positive Bilanz: „Die Art Brussels ist eine alte Messe mit einer schönen Mischung und Überraschungseffekten.“ In Köln hatte Mertens sich erst gar nicht beworben. „Ich finde die Brüsseler Messe frischer.“ Mit beeindruckenden Videos des erst 28-jährigen Franzosen Sébastien Caillat, Skulpturen von Robert Barta und Katja Pfeiffer verzichtete Mertens bewusst auf seinen Malereischwerpunkt.

Die Galerie Jan Wentrup freute sich über eine ausverkaufte Koje. Eine Skulptur von Thomas Kiesewetter für 27 000 Euro ging ebenso weg wie ein Gemälde von Wawrzyniec Tokarski für 18 000 Euro. Die Teilnahme an der Art Cologne stand hier nie zur Debatte. „Wir beobachten einen Niedergang der Kölner Messe“, so Tina Wentrup. „Das Art Forum Berlin hat eine gewisse Stärke und ein Sammlerpotenzial, Deshalb setzen wir auf Berlin und Brüssel. Die Art Cologne sollte sich mehr auf den Kunsthandel konzentrieren. Der Fokus auf dem Contemporary Market liegt nun einmal in Berlin."

179 Galerien aus 24 Ländern versammelte die Art Brussels in diesem Jahr. In Halle 1 fand man mit René Magritte, Panamarenko oder Jan Fabre die belgischen Vorzeigekünstler und andere etablierte Positionen. In Halle 3 ging es dann eher jung zu. Die beiden Segmente „First Call“ für Erstteilnehmer und „Young Talents“ waren die Attraktion für viele Kuratoren und Jungsammler. Die hochgelobten belgischen Sammler waren ebenso unterwegs wie Niederländer und Franzosen, Briten, Italiener und natürlich Deutsche.

„Brüssel ist eine Traditionsmesse mit durchgehendem Niveau. Die Belgier sind ein gutes Publikum, die wissen genau, was sie wollen“, resümiert auch Philipp Ziegler von der Galerie Hauff, die zum ersten Mal in Brüssel dabei ist. Auch für die Stuttgarter war Köln keine Option. Dass man sich auch teilen kann, bewiesen Figge von Rosen aus Köln. Während Philipp Figge den Kölner Stand im Open Space betreute, reiste Philipp von Rosen nach Brüssel – erfolgreich, denn der von der Galerie vertretene belgische Maler Koen van den Broek erhielt den vom Collectors Committee vergebenen Illy Prize und verkaufte alle seine Gemälde. „Die Erfahrung zeigt, dass es in Brüssel besser läuft“, meint von Rosen. „Hier ist die Stimmung besser. Die Mixtur in Köln weicht das Konzept auf. Brüssel bietet das klarere Bild." Nicole Büsing, Heiko Klaas

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