"First Steps" : Reife Filme mit anspruchsvollen Themen

Am Dienstag werden im Theater am Potsdamer Platz in Berlin zum siebten Mal die "First Steps" verliehen. Der wichtigste deutsche Nachwuchs-Wettbewerb für Filmemacher wird in diesem Jahr von langsamen und leisen Tönen dominiert.

Berlin - In diesem Jahr erzählen die jungen Filmemacher Geschichten unter der Oberfläche. Außenseiter und Randfiguren sind präsent wie nie zuvor. "Es gibt viele reife Filme und anspruchsvolle Themen", sagt die Programmleiterin des Nachwuchsfilmpreises First Steps, Andrea Hohnen, über die eingereichten Arbeiten. "Vielleicht, weil das Lebensklima ein bisschen kälter wird, vielleicht ist es aber auch Zufall."

In diesem Jahr wurden insgesamt 189 Filme eingereicht, davon 111 Spiel-, 46 Dokumentar- und 32 Werbefilme. Die Preise werden in den Kategorien "Abendfüllende Spielfilme", "Spielfilme bis 60 Minuten", "Dokumentarfilme", "Kurz- und Animationsfilme bis 25 Minuten" und "Werbespots" verliehen. Drei unabhängige Jurys, denen unter anderen Maria Furtwängler, Nadja Uhl, Burghart Klaußner, Gerd Ruge und Sönke Wortmann angehören, nominierten insgesamt 25 Filme. Die Preise sind mit Prämien zwischen 10.000 und 25.000 Euro dotiert.

Bei den "Abendfüllenden Spielfilmen" konkurrieren "Bye, Bye Berlusconi" von Regisseur Jan Henrik Stahlberg, "Der Lebensversicherer" von Bülent Akinci, "Französisch für Anfänger" von Christian Ditter, "Neun Szenen" von Dietrich Brüggemann, "Pingpong" von Matthias Luthardt und "Prinzessin" von Birgit Grosskopf miteinander.

"Bye, Bye Berlusconi" ist eine Satire über die Geiselnahme des italienischen Regierungschefs. "Der Lebensversicherer" handelt von einem Vertreter, der einsam auf den Autobahnen umherirrt. In "Französisch für Anfänger" geht es um die erste große Liebe beim Schüleraustausch, "Neun Szenen" wirft neun ironische Blicke auf verwickelte Beziehungen. In "Pingpong" bringt ein Jugendlicher die heile Welt seiner Verwandten ins Wanken, "Prinzessin" zeigt die schonungslose Brutalität einer Mädchenbande.

Konventionelle Form

Die meisten Filme sind konventionell gemacht, auf Experimente und Effekte wird verzichtet. "Die Inhalte stehen stärker im Vordergrund als das formale Spielen", sagt Hohnen. Eine Folge davon: Die Filme sind unglaublich eindringlich und wirken lange nach.

Die Programmleiterin lobt an den diesjährigen Produktionen auch die hohe handwerkliche Qualität. "Das liegt an der guten Ausbildungssituation", sagt sie. Die deutschen Filmhochschulen seien mit Blick auf die Produktionsbedingungen eine "Insel der Glücksseligen". Dies sei in anderen Ländern nicht unbedingt so. Dort gebe es auch nicht so viele Filmemacher mit einem einschlägigen Studienabschluss.

First Steps will jungen Filmemachern den Berufseinstieg erleichtern. Die private Initiative wurde von Bernd Eichinger (Constantin Film), Nico Hofmann (teamWorx/UFA), Roger Schawinski (Sat.1), Lothar Korn (Mercedes-Benz) und Stefan Aust (Spiegel TV) gegründet.

Die Macher von First Steps verfolgen kontinuierlich den weiteren Werdegang der Preisträger und Nominierten. Ein Mal im Jahr werden die Nachwuchsfilmer zu ihren neuen Projekten sogar "richtig abgefragt". Fast alle von ihnen haben längst weitere Arbeiten für Kino oder Fernsehen verwirklicht. "Hans Weingartner ("Die fetten Jahre sind vorbei") zum Beispiel macht einen Film nach dem anderen", betont Hohnen. (Von Nadine Emmerich, ddp)

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