Kultur : Fisch sucht Fahrrad

FRANK NOACK

Charmantes Regiedebüt: "Härtetest" von und mit Janek RiekeVON FRANK NOACKAll die Jubelberichte über das deutsche Filmwunder täuschen nicht darüber hinweg, daß es unter den vielen Regisseuren keinen Meister gibt, dessen neuesten Film wir herbeisehnen - außer vielleicht Helmut Dietl.So stellt sich bei jedem Debüt die Frage: Ist er das - der neue Regiestar? Oder ist es wieder nur ein Routinier, der Werbespots für Eduscho drehen sollte? Der 26jährige Janek Rieke bewegt sich irgendwo dazwischen; sein "Härtetest" ist ein netter, solider Film ohne erkennbaren Kunstanspruch, aber die Personen wirken natürlicher, als es in netten, soliden Filmen üblich ist. Dabei hätte der Film leicht ein "Mambospiel" für Mittzwanziger werden können."Härtetest" ist ein Film von Janek Rieke mit Janek Rieke.Wahrscheinlich basiert er auch auf persönlichen Erlebnissen von Janek Rieke.Der Protagonist hat Probleme mit den Frauen, während im Hintergrund ein paar Neonazis durchs Bild laufen.So weit, so schlimm.Doch im Gegensatz zu Michael Gwisdek lebt Janek Rieke keine Allmachtsphantasien aus.Der von ihm gespielte Jonas, Sohn aus reichem Elternhaus, gilt zwar als Feigling und muß einmal die Woche zum Psychotherapeuten - doch ist es etwa verwerflich, vor Skinheads davonzulaufen oder Angst vor großen Spinnen zu haben? Janek Rieke spielt seine Rolle ohne Übertreibungen und läßt auch bei seinen Partnern keine falschen Töne zu.Dabei hätten letztere leicht aufkommen können: Jonas verliebt sich in Lena (Lisa Martinek), die umweltpolitisch aktiv ist, eine Frauen-Fahrradselbsthilfe leitet, in einer WG lebt und ein Poster von Che Guevara an der Wand hat.Ein Möchtegern-Revolutionär begehrt sie, doch Lena zieht den Klassenfeind Jonas vor.Trotzdem: "Härtetest" ist eine Beziehungskomödie mit richtigen Menschen. Central, Colosseum, Cult fiction, Friedrichshain, Kant, Moviemento, Zoo Palast

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