Kultur : Fisch sucht Künstler

Die Verleihung der Berliner Kunstpreise.

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Eine mystische, dämmrige Unterwasserlandschaft, bunte Fischschwärme, Lichtstrahlen, die sich durch die reliefartig aufragenden Buchstabenwände tasten. Cristina Iglesias hat auf der Insel Espiritu Santo im Golf von Kalifornien einen Raum am Grunde des Ozeans geschaffen, ein gespiegeltes Atlantis. Für ihre Arbeit hat die spanische Bildhauerin jetzt den mit 15 000 Euro dotierten Großen Kunstpreis Berlin der Akademie der Künste im Auftrag des Landes Berlin verliehen bekommen. Ihre Werke lassen den Betrachter ungewöhnliche Räume mit fragilem Licht- und Schattenspiel erleben. Zum Glück muss man nicht immer 14 Meter tief tauchen, um Iglesias’ Werke zu betrachten: Ihr bisher größtes Projekt, der Brunnen vor dem Antwerpener Musée Royal des Beaux Arts, ist auch von gewöhnlichen Straßenpassanten zu entdecken.

Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit wünschte sich in seiner Rede dann auch prompt, dass ein Werk der Preisträgerin dauerhaft nach Berlin geholt werde. Der Appell galt den Museen und Galerien, die Berlin als internationale Kunstmetropole erhalten und ihren Künstlern eine Perspektive bieten müssten.

Den Kunstpreis Berlin zu je 5000 Euro erhielt in der Kategorie Bildende Kunst der iranische Künstler Abbas Akhavan; in der Kategorie Baukunst wurde die Mexikanerin Tatiana Bilbao geehrt. Christoph Ogiermann erhielt den Preis für Musik und ließ in seiner Aufführung Nagelbürsten über Saiten kreischen und Stühle übers Parkett schrammen. Der Kunstpreis für Literatur ging an die Lyrikerin Monika Rinck, deren jüngstes Werk „Honigprotokolle“ gerade auf der Leipziger Buchmesse vorgestellt worden ist. Für ihre herausragenden Leistungen auf der Bühne erhielten der belgische Schauspieler Kristof Van Boven und der rumänische Tänzer Manuel Pelmus den Kunstpreis Darstellende Kunst. Den Kunstpreis Film- und Medienkunst erhielt das Regie-Kamera-Duo Astrid Schult und Sebastian Bäumler für seine feinfühligen Dokumentationen, etwa „Zirkus is nich“ über einen Jungen in Hellersdorf, der in seiner zerrütteten Familie die Erwachsenenrolle übernehmen muss. Den Will-Grohmann-Preis 2011 verlieh die Akademie an den Leipziger Künstler Jan Wawrzyniak für seine abstrakten Zeichnungen. Annika Brockschmidt

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