Fixpunkt für Konservative : Friedrich: Spielball der Propaganda

Unbeugsamer Durchhaltewillen und taktische Weitsicht – Die Heroisierung des unerbittlichen Feldherrn bis 1945.

Arnulf Scriba
Heroische Pose. Friedrich der Große als Fahnenträger auf dem Schlachtfeld von Zorndorf 1758. Der Historienmaler Arthur Kampf schuf diesen martialischen Friedrich. Allerdings waren die Ecken der Fahne nicht rot, sondern schwarz.
Heroische Pose. Friedrich der Große als Fahnenträger auf dem Schlachtfeld von Zorndorf 1758. Der Historienmaler Arthur Kampf schuf...Foto: DHM Berlin

In kaum einer Überblicksdarstellung über berühmte Feldherrn und ihre Schlachten fehlt der Name Friedrichs des Großen. Seit seinen Triumphen während des Zweiten Schlesischen Krieges 1745 galt Friedrich II. als hervorragender Militärstratege. Seine beeindruckenden Siege bei Roßbach und Leuthen während des Siebenjährigen Krieges 1757 begründeten eine weit über die Grenzen der deutschen Staatenwelt hinausreichende Verehrung für den Preußenkönig und seinen Mythos als unbesiegbaren Heerführer. Die ihm nachgesagte Unerschrockenheit auf dem Schlachtfeld bildete schon zu Lebzeiten den Stoff für Legenden.

Nachdem Friedrich der Große mit strategischem Kalkül und militärischem Geschick, aber auch mit Glück und Zufall einer scheinbar übermächtigen Koalition fast sieben Jahre lang die Stirn geboten hatte, wurde er ab 1763 von Teilen der Mitwelt zum Heros seiner Zeit stilisiert. Der von Friedrich seit der Kronprinzenzeit angestrebte Kriegsruhm verblasste auch nach seinem Tod 1786 nicht: Für rund 160 Jahre sah die Nachwelt in Preußen bzw. im Deutschen Reich keinen Grund, vom verklärten Ideal abzurücken. Generationenübergreifend galt Friedrich als Inbegriff für machtpolitische Weitsicht und zielgerichtete Führung, für taktische Intelligenz und soldatische Tapferkeit, für unnachgiebige Standhaftigkeit und unbeugsamen Durchhaltewillen.

Dieser Vorbildcharakter kam besonders deutlich ab 1914 zum Tragen. Als der Krieg im Westen in verlustreichen Stellungskämpfen verharrte und die Kriegsmüdigkeit im Reich zunahm, avancierte Friedrich zur Leitfigur des deutschen Durchhaltewillens. Die Niederlage und die politische Zeitenwende 1918/19 tat der Popularität Friedrichs als Feldherrngenie und herausragender Staatenlenker keinen Abbruch - im Gegenteil: Vor dem Hintergrund verbreiteter Desorientierung im Zuge der revolutionären Ereignisse und angesichts einer vielfach als chaotisch empfundenen Gegenwart galt Friedrich Millionen Deutschen als trostspendendes Symbol des starken Staates.

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