Kultur : Fixstern am Alex

Bodo Mrozek

reist durch die Elektro-Galaxis Wenn es eine Landkarte der öden Orte Berlins geben würde, dann dürfte der Alexanderplatz darin nicht fehlen. Als realsozialistische Aufmarschfläche angelegt und mit Touristenattraktionen wie Weltzeituhr und Mokkabar geadelt, gammelt das ehemalige Zentrum seit Jahren still vor sich hin. Die Demonstrationen der Bürgerbewegung waren wie ein letztes Aufbäumen der Geschichte, zehn Jahre später mahnten schwarze Transparente „Wir waren das Volk“, auch die Döblin-Zitate am Plattenbau wirken wie aus der Zeit gefallen. Zwischen Fast-Food und Fernsehturm, Nippesmarkt und Neptunbrunnen konnte immerhin das Nachtleben zeitweilig kulturelle Bedeutung stiften. Das agile Leben im Haus des Lehrers, temporäre Bar-Galerien oder die rauschenden Elektronik-Partys unter der Kuppelwölbung des kleinen Kongresszentrums sind noch vielen Nachtgängern in guter Erinnerung. Davon ist fast nichts mehr übrig. Der Platz: eine Großbaustelle. Wäre da nicht das Sternradio (Alexanderplatz 5), das sich in eher versteckter Randlage seit fünf Jahren als Zentralgestirn am Berliner Elektro- und Technohimmel behauptet. Seitdem sich immer mehr schwarze Löcher am Firmament auftun und altehrwürdige Institutionen wie die Loveparade oder den Tresor ins Nichts reißen, strahlt das Sternradio um so heller. An diesem Wochenende feiert der Club seinen 5. Ge burtstag , gestern Nacht beschallten Electric Airline (vormals Stereo DeLuxe) und Namosh die schön gekachelte Bar, heute und morgen geht es mit dem House-Projekt von Alexander Kowalski und DJ Housemeister (von Ellen Aliens Label bpitch control) weiter. Ein Teil der benachbarten wabenförmigen Kaufhof-Verkleidung wurde gerettet und im Sternradio wieder anmontiert. So ist es das Clubleben, das am Alex die Vergangenheit mit der Gegenwart versöhnt.

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