Kultur : Fleckenfieber

Abstrakte Malerei von Prudencio Irazabal

Christiane Meixner

Aus der Zeit gefallen, in die Welt geworfen – so sehen die Bilder aus, die Prudencio Irazabal in der Galerie Spielhaus Morrison aufgehangen hat. Da mag die Kunstwelt aktuell noch so laut nach figürlicher Malerei schreien. Den baskischen Künstler, der lange in New York gelebt hat und erst kürzlich nach Madrid zurückgekehrt ist, interessiert es nicht: Ihn fasziniert weiterhin die Farbe, ihre Wirkung auf das Auge des Betrachters und dessen subjektive Assoziation.

Mit Hilfe der Farben baut Irazabal abstrakte Räume aus leuchtendem Rot, flimmerndem Gelb und einem luziden Blau, wie es sonst nur der Himmel kennt. Weiße Flecken schieben sich mehrfach vor die unzählbaren Schichten aus dünnstem Acryl, die Tiefe suggerieren und jede Leinwand meterweit nach hinten zu öffnen scheinen: Das Weiß davor wirkt wie ein Störfaktor, eine Überblendung und betont dabei noch einmal, wie unergründlich der Ort dahinter ist.

Wurzeln, auf die sich Irazabal berufen kann, gibt es viele. Sie reichen von den Wolkenmotiven des Barock bis hin zur Farbfeldmalerei der fünfziger Jahre, deren einst homogene Flächen auf Irazabals Bildern auszufransen scheinen: Die Farben laufen ineinander, verdunkeln sich gegeneinander und buhlen dennoch jede für sich um Aufmerksamkeit. Über allem liegt noch einmal eine dicke Schicht aus transparentem Acryl, das die Motive wie mit Glas überzogen aussehen lässt. Zerbrechlich und geschützt.

In einem jüngeren Ausstellungskataloge gibt der Künstler selbst noch einen Hinweis auf die Herkunft seiner lichten Abstraktionen. Hier hat Irazabal den Gemälden einige Fotos vorangestellt auf denen das Sonnenlicht alltägliche Dinge wie einen Apfelbaum so überzeichnet, dass die Kamera statt klarer Abbilder tanzende Farben einfängt. Damit mag der Künstler viel von dem verraten, was ihn zu seinen diffusen Raumbildern bringt. Zugleich aber knüpft er mit dem Medium der Fotografie an die digitale Gegenwart an und demonstriert, dass er genau so tief im Jetzt verankert ist wie in der Tradition der amerikanischen Nachkriegskunst. Auch wenn die pure Schönheit seiner Gemälde erst einmal unzeitgemäß wirkt. Christiane Meixner

Galerie Spielhaus Morrison, Heidestraße 46-52; bis 5. Januar (zw. Weihnachten und Neujahr geöffnet), Dienstag bis Samstag von 11-18 Uhr.

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