Kultur : Fleuet euch!

JÖRG KÖNIGSDORF

Nein, keine Angst, DAS können sie nun wirklich: Das gefürchtete "r", Schreckenskonsonant aller japanischen Deutscheleven, kommt den japanischen Choristen souverän über die Lippen.Vor allem die Herren des Schütz-Chores aus Osaka rollen es mitunter demonstrativ, daß es eine Freude ist.Leider bleibt es in den Motetten von Schütz und Bach fast das einzige, was man vom Text versteht.Mehr noch, es drängt sich der Verdacht auf, daß auch Chorleiter Shuichi Toma und die Sänger selbst nicht allzu viel von ihren Texten verstehen.Die Werke ziehen präzis dargeboten vorbei, künden aber nie von Inhalten.Von Trost, Freude oder Erbauung.Besser also, man genießt das Chorprogramm im Dom als eine Folge von gesungenen Instrumentalkonzerten im japanischen Gewand.Vom Klangbild zentraleuropäischer Chöre unterscheiden sich die Japaner gewaltig: Das klingt durchweg viel heller, die Soprane erinnern in der hohen Stimmführung von Brittens "Hymn to St.Cecilia" eher an Knabenstimmen.Den Altstimmen fehlt es fast völlig an Farbe, sie bleiben Anhängsel statt Gegenpol der dominierenden Soprane.Weißlich auch die Tenöre, für zentraleuropäische Ohren klingt das in etwa so, als hätte man auf seiner Anlage die Höhen aufgedreht und die Bässe herausgenommen.Diese Künstlichkeit bietet immerhin eine plausible Sicht auf Britten und Poulenc, auf Komponisten, die in ihren Kompositionen mit dem Kunstcharakter spielen.Das beste aber bieten die Japaner am Schluß: "Oiwakebushi-ko" heißt die Chorperformance des 1996 verstorbenen Japaners Minao Shibata, für die der Dom die ideale akustische Folie darstellt.Allein dieses Werk lohnt schon das ganze Konzert.

Der Chor singt am 12.8.in Rathenow, am 13.in Lehnin und am 14.in der Potsdamer Friedenskirche

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