Kultur : Flierls Lärm um nichts?

Eine

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von Rüdiger Schaper

Ist das der Beginn einer wunderbaren Freundschaft? Muss ja nicht sein. Wichtig ist nur: Bernd Wilms und Thomas Flierl haben sich schnell geeinigt. Das Deutsche Theater kann aufatmen, Wilms hoffentlich seine zuletzt doch recht erfolgreiche Arbeit bis 2008 fortsetzen. Und Flierl? Hat der Kultursenator sein Gesicht verloren?

Schnee liegt in der Hauptstadt, eine schöne Kulisse für den überraschenden Burgfrieden. Noch einmal im Schnelldurchlauf, weil es so einfach kompliziert war. Im Sommer hatte es begonnen – das Gezerre ums DT. Flierl wollte Wilms’ Vertrag nicht verlängern, ihm passte, wie einst den wilhelminischen Beamten, die zu Kaisers Zeiten über die Berliner Bühnen wachten, „die ganze Richtung nicht.“ Das „Nationaltheater“ machte die Runde (inzwischen hat Claus Peymann das Begriffsungetüm für sein Berliner Ensemble reklamiert, nur zu!), es brachen OstWest-Gräben auf, als Flierl den Schriftsteller Christoph Hein an die Intendantenfront schickte. Hein gab bald auf, auch weil ihm kein Vorbereitungsetat zugestanden wurde, und dann hatte Flierl einen neuen Favoriten: den Dramaturgen und Dramatiker Thomas Oberender. Den aber brachte er bei seiner Findungskommission nicht durch. Und jetzt hat Flierl wieder schnell gehandelt, diesmal mit Besonnenheit. Er ging auf Wilms zu. Er tat, was das Beste ist für das Deutsche Theater, mittelfristig.

Flierl hat sein Gesicht nicht verloren. Weil er so auch nicht denkt. Er ist, man muss es ihm lassen, ein politischer Überlebenskünstler. Hier wollte Flierl mal austeilen – und nun steckt er halt wieder ein. Sein größtes Kapital bleibt, dass man ihn unterschätzt. Und natürlich schützt ihn die rot-rote Koalitionsarithmetik. Flierls Entscheidungen, so man sie als Erfolge wertet – siehe Opernstiftung, siehe Maxim Gorki Theater – sind riskant und teuer erkauft. Wenn er dem vernünftigen Wunsch so vieler in der Hauptstadt entsprochen und Wilms gehalten hat, gibt es für dauerhafte Häme keinen Grund.

Klar, man hätte all das auch im Sommer schon haben können. Aber so ist das in Berlin, so ist Berlin: Kultur, Kulturpolitik, besitzt höchsten Symbol- und Unterhaltungswert. Der Ausspruch „alles nur Theater“ verfängt hier nicht. Ja, mein Gott: ein Intendant, eine Bühne, gibt es nichts Wichtigeres? Nicht, so lange man keine bessere Ablenkung erfunden hat. In einem Strategiepapier hat Flierl vor nicht allzu langer Zeit über „Voraussetzungen und Grundlagen für ein kulturell fundiertes Politikkonzept der Stadt“ nachgedacht. Genau das flog ihm beim Deutschen Theater um die Ohren. Er selbst war auf einen Wechsel am DT nicht vorbereitet. Er versuchte einen Alleingang. Und verstand nichts vom Theater. Von der Schwierigkeit, ein gar nicht so durchgängig hohes künstlerisches Niveau überhaupt erst einmal zu erreichen.

Nun geht es weiter. Mit Wilms. Und mit der Suche des Nachfolgers ab 2008. Den muss man jetzt finden. Man hat Zeit gewonnen. Für neue Spekulationen.

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