Kultur : Flintstones: Jazz: Das aktuelle Sportstudio

Tobias Honest

Dem Image von der Big Band als unbeweglichem Dinosaurier des Jazz zum Trotz, haben die Kreuzberger Flintstones eine erstaunliche Mobilität entwickelt. Engagements im Oberwallis, auf Schlingensiefs Müllfestspielen in der Volksbühne (wo sie immer und immer wieder das Thema des Aktuellen Sportstudios spielen mussten) und eine Japantournee in diesem Jahr zählen zu den schillernden Ereignissen der Bandgeschichte. Zurück in Berlin verschlägt es die Flintstones zunächst in die Alte Kantine der Kulturbrauerei, wo man vor einiger Zeit den Montag in klassischer New Yorker Tradition zum Big Band Monday erklärte (am kommenden Montag, 28. August, spielt die Fata Morgana Big Band, 20 Uhr). Und obwohl das angeblich aus Amerika herüberschwappende Swingrevival mittlerweile kein Thema mehr ist, ist die Hörerschaft nicht nur zahlreich erschienen, sondern auch noch erstaunlich konzentriert. Von Hintergrundmusik kein Gedanke, solistische Leistungen werden mit Szenenapplaus bedacht, wie Peter Schwartzts intensives Flügelhornsolo über Henry Mancinis "Theme für Doc". Vielleicht ist diese konzertante Stimmung für die Flintstones und ihren Leiter Daniel Busch selbst eine Überraschung, denn gegenüber gelungenen atmosphärischen Mid-Tempo-Nummern überwiegen zumindest im zweiten Set eher knallige Swing-Arrangements à la Sammy Nestico. Und die nötige messerscharfe Akzentuierung und dynamische Differenziertheit, die es braucht, um diese frühen BigBeat-Stücke würdigen zu können, verlieren sich spätestens zwischen den Säulen der nach dem Umbau arg halligen Alten Kantine. Vereinzelt gesichteten tänzerischen Ambitionen dagegen steht die Bestuhlung im Weg. Konzeptuelle Details, über die die Flintstones nach ihren Erlebnissen in Japan vermutlich lächeln können. Aber das ist eine andere Geschichte.

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