Kultur : Flirt mit Brando

Sabine Beikler

Bereut hat sie niemals etwas, was sie getan oder nicht getan hat. Aber ein eindeutiges Angebot von Marlon Brando ablehnen? Vom „Giganten unter den Schauspielern, von dem sogar Visconti träumte“, wie Claudia Cardinale in ihrer Autobiografie „Mein Paradies“ schreibt? Die klaren Sätze über ihre Entscheidung, warum sie sich 1967 nicht mit dem „unwiderstehlichsten Mann der Filmgeschichte“ eingelassen hat, erklären das Bild einer Filmdiva, die für viele Frauen nicht nur ihrer Generation Vorbildcharakter hat.

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Durch Zufall gewann die in Tunis aufgewachsene Tochter italienischer Emigranten einen Schönheitswettbewerb. Auch wenn das den Beginn ihrer Karriere bedeutete – Cardinale beschreibt die Höhen und Tiefen ihres Lebens alles andere als fatalistisch: die grenzwertigen Erfahrungen, mit Visconti oder Fellini zu drehen, die heimliche Geburt ihres Sohnes, die Abhängigkeit von ihrem Produzenten und späteren Ehemann Franco Cristaldi, ihre Freundschaft zu Alain Delon oder Rock Hudson, ihre Begegnungen mit Burt Lancaster, Brigitte Bardot, Klaus Kinski oder Robert de Niro und schließlich die Trennung von Cristaldi. Oft habe sie sich, schreibt Cardinale, „wie eine Schiffbrüchige“ gefühlt, die an ein unbekanntes Ufer gespült wurde. „Aber ich habe noch nie Angst gehabt, mir auf dem heißen Sand die Füße zu verbrennen.“ Solche Sätze schreiben eigenständige und intelligente Frauen.

Claudia Cardinale: Mein Paradies. Erinnerungen. Aus dem Französischen von Barbara Röhl. Gustav Lübbe Verlag, Bergisch Gladbach. 284 S., 19,90 €.

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