Flittchenbar in Berlin-Kreuzberg : Wo die Indie-Elite schrammelt

Christiane Rösingers Flittchenbar im Südblock ist eine Institution des Kreuzberger Nachtlebens. Hier steht die Indie-Elite Berlins auf der Bühne.

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Flittchenbar-Chefin und Musikerin Christiane Rösinger.
Flittchenbar-Chefin und Musikerin Christiane Rösinger.Foto: Doris Spiekermann-Klaas

Die Laune steigt schon bei der Erkennungsmelodie: „Eine neue Bar ist wie ein neues Leben – nananananana“, singt Christiane Rösinger ins Mikrofon. Eine leicht abgewandelte Version des Jürgen-Marcus-Hits von 1972. Natürlich ist die Flittchenbar alles andere als neu, doch weil die Ex-Lassie-Singers- und Britta-Sängerin jeden Abend sehr liebevoll kuratiert und moderiert, ist es immer wieder von Neuem schön bei ihren stets als Gala angekündigten Events im Südblock.

Bei der stilvoll mit Plastikblumengirlanden dekorierten Frühlingsgala letzte Woche stimmte eigentlich mal wieder alles: Gedränge, Getränke, Gequatsche und natürlich prima Kurzkonzerte. Zum Auftakt spielt der wunderbare Singer-Songwriter Jakob Dobers, sonst eine Hälfte des Duos Sorry Gilberto. Rösinger kündigt ihn als Berliner Version von Jonathan Richman an, womit sie gar nicht mal so schief liegt – beim Verschrobenheitsfaktor der Texte gibt es tatsächlich Ähnlichkeiten. In Sachen Bartwuchs liegt Dobers aber deutlich vor dem Amerikaner.

Die erste Inkarnation der Flittchenbar residierte in den neunziger Jahren im ersten Stock der Maria am Ostbahnhof. Jeden Mittwoch improvisierten Christiane Rösinger und ihre Mitstreiterinnen hinter dem Tresen herum. Es gab auch Konzerte, wobei sich die Auswahl eher erratisch gestaltete. „Leider waren wir keine knallharten Bookerinnen – wir brachten es nicht übers Herz, selbst den schrecklichsten Bands, die sich bei uns beworben hatten, abzusagen. So litt das Programm unter starken Qualitätsschwankungen“, schreibt Rösinger im Erinnerungsbuch „Das schöne Leben“. Trotzdem waren die Nächte in der alten Flittchenbar legendär – „als hätte man für ein paar rauschhafte Stunden in einer Utopie gelebt.“

Die Indie-Elite der Stadt steht hier auf der Bühne

Ganz so wild geht es bei den jetzt jeden ersten Freitag im Monat stattfindenden Flittchenbars nicht mehr zu. Christian Rösinger ist auch nicht mehr hinter der Bar anzutreffen, sondern vor und auf der Bühne, wo sich pro Abend drei bis fünf Acts einfinden. Jens Friebe und Andreas Spechtl von Ja, Panik sind hier immer mal wieder zu Gast, genau wie Julie Miess (früher Britta, heute Half Girl) oder Justine Electra. Auch Berliner Berühmtheiten wie Barbara Morgenstern, Fil oder Jim Avignon standen schon auf der kleinen Südblock-Bühne. Für Entdeckungen ist die Flittchenbar ebenfalls eine gute Adresse. So hat Rösinger für die Frühlingsgala ihre jungen Label-Kollegen Isolation Berlin engagiert („per Tischtelefon in so einem Ballhaus“). Das Quartett hat den Sänger und den Gitarristen entsandt. Sie spielen Akustikgitarren-Herzschmerzpop, der mitunter an die Musik der Gastgeberin erinnert. Als die beiden „Du hast mich nie geliebt“ singen, stimmt sie in der ersten Reihe mit ein. Schon schön.

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