Kultur : Flower Power

Für die Presse zwischen Miami, New York und Los Angeles funkelt ein neuer Stern am Latin-Himmel: ein seltsames Gestirn von androgyner Kühle, eine Mischung aus K.D.Lang und "Salsa-Diva".Doch Albita Rodriguez hat sich auch in den fünf Jahren ihrer US-Karriere nicht von der modischen Salsa korrumpieren lassen.Vielmehr kultiviert sie den Punto Guajiro, einen ländlichen Gesangsstil, der außerhalb Kubas bisher kaum Beachtung gefunden hat.Bevor Albita 1993 ihre Heimat verließ, hatte sie, auch im staatlichen Fernsehen, die Schönheit der Tabakfelder besungen.Bei ihren Auftritten allerdings wirkte sie wie ein Bauernbursche, der sich im rustikalen Hemd dem typischen Gesangswettstreit hingibt.Erst im Exil änderte sich ihr Look.Von Gloria Estefan für deren Produktionsfirma "Crescent Moon" unter Vertrag genommen, ließ sich Albita die Haare bleichen und wurde fortan sogar von Madonna angehimmelt.In Havanna, wo Albitas Musik inzwischen offiziell geächtet wird, spricht man jedenfalls schon seit langem von der Liaison der beiden Sängerinnen.Vielleicht hat sich die kubanische Schwulengemeinde in Berlin auch aus diesem Grund zum Konzert im Haus der Kulturen eingefunden.Auf der Bühne, bewacht von einem unerbittlichen Bodyguard, verschmäht Albita jede weiblich-tropische Grazie und gefällt sich in burschikosen Bewegungen.Den aufdringlichen Blumenstrauß einer Verehrerin zerstäubt die Sängerin im wilden Rumba-Rhythmus: Strenge und Unnahbarkeit sind Teil der Show.Albitas Musik dagegen dringt ins Herz und in die Beine.Zum Talent der Sängerin gehört nicht nur die Fähigkeit, über sämtliche Gattungen kubanischer Tanzmusik zu improvisieren, sondern auch die spritzige Verknüpfung von traditionellen Guajiras mit aktueller Timba.Das klingt wie Celina González um 40 Jahre verjüngt und zeigt doch nichts anderes als die ungezähmte Frauen-Power kubanischer Musik. ror

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