Kultur : Flucht in die Erinnerung

Steffen Richter

Auf uns kommt viel zu im neuen Jahr: der 150. Todestag von Heinrich Heine, die 100. Geburtstage von Samuel Beckett und Wolfgang Koeppen, die 50. Todestage von Brecht und Benn. Die Herausforderung dürfte darin bestehen, sich etwas Neues zu diesen Klassikern einfallen zu lassen. Der Jubiläumsmarathon beginnt jedoch mit einem Überhang aus dem letzten Jahr: Heiner Müllers 10. Todestag.

Man mag der zuletzt arg gebeutelten Akademie der Künste einiges vorwerfen — den Jahresauftakt verpasst sie jedenfalls nicht. Schon am 9.1. (20 Uhr) lädt Brigitte Maria Mayer , die Witwe Heiner Müllers, ins Akademie-Gebäude am Pariser Platz 4 (Mitte) . Vorgestellt wird ihr Aufsehen erregender Fotoband „Der Tod ist ein Irrtum“ (Suhrkamp). Darin ist die Ikone der deutschen Teilung und Wiedervereinigung als Privatmann zu sehen.

Noch früher als die Akademie der Künste stürzt sich das Brecht-Haus in den Lesebetrieb des neuen Jahres. Und zwar mit Volker Braun . Seine kurze Erzählung „Der berüchtigte Christian Sporn“ (Insel) dokumentiert einen Kriminalfall aus dem frühen 19. Jahrhundert. Jörg Jannings hat die Erzählung zum Hörspiel umgearbeitet. Am 4.1. (20 Uhr) sind Braun und Jannings im Brecht-Haus (Chausseestr. 125, Mitte) .

Eine Gedichtzeile von Volker Braun ist es auch, die der Reihe „Ein Land geht in den Westen“ im Haus der Demokratie und Menschenrechte (Greifswalder Str. 4, Prenzlauer Berg) ihren Titel gibt. Hier lesen am 6.1. (20 Uhr) Antje Râvic Strubel aus ihrem ostdeutschen Erinnerungs-, Republikflucht- und Flugzeugentführungsroman „Tupolew 134“ sowie Jochen Schmidt aus seinen Geschichten „Triumphgemüse“ (beide C. H. Beck).

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