Flüchtlinge in der Philharmonie : Das kurioseste Konzert, das Berlin je erlebt hat

In der Philharmonie spielen Berlins große Orchester. Und im Publikum sitzen Menschen in Kapuzenpullis, krakeelende Kinder. Unser Autor hat das Willkommenskonzert gemeinsam mit Bilal, einem Flüchtling aus Syrien, erlebt. Unser Blendle-Tipp.

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Bilal ist 18, im Herbst ist er von Damaskus nach Berlin geflohen, ganz allein. Die Musik, sagt er, "ich liebe sehr".
Bilal ist 18, im Herbst ist er von Damaskus nach Berlin geflohen, ganz allein. Die Musik, sagt er, "ich liebe sehr".Foto: Mike Wolff

Dass die Wirklichkeit schöner ist als die kühnsten Träume von ihr, das ist ein Zauber, den es nur im Märchen gibt. Am Dienstagabend in der Berliner Philharmonie hat sich dieses Märchen ereignet. Gut 90 Minuten lang. Ein junger Mann, er kommt aus Afghanistan, steht danach an einem der verwinkelten Treppenaufgänge des labyrinthischen Gebäudes, Tränen laufen ihm noch immer über das Gesicht. „I never cry“, sagt er. Normalerweise.

Er und die anderen Besucher stehen hinterher noch lange zusammen im großen Philharmonie-Foyer, trinken Wasser und Säfte, Alkohol gibt es nicht, was für das gelbe Haus hinterm Potsdamer Platz vermutlich eine Premiere ist. Sie essen Gebäck und Hähnchenkeulen, alles halal, natürlich halal, sie reden und reden. Und sagen immer das Gleiche. Dass dieser Abend ein wahres Wunder ist.

In der Tat hat es so etwas zuvor nur zweimal gegeben. Kurz nach der Wende, November 1989, als die großen Berliner Orchester ein gemeinsames Willkommenskonzert veranstalteten; und nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001. Immer also, wenn historische Umbrüche den Gang der Dinge durcheinanderwirbelten. Darum haben sie’s auch jetzt getan. Und es war erneut ein Willkommenskonzert.

Die Berliner Philharmoniker mit Simon Rattle, dem Briten, das Konzerthausorchester mit Iván Fischer, dem Ungarn, und die Staatskapelle mit Daniel Barenboim, der in Buenos Aires geboren ist, haben eingeladen: zum kostenlosen Solidaritätskonzert für Flüchtlinge und deren Helfer. 6000 hatten nach Karten gefragt, 2200 aus 20 Ländern fanden Einlass; mehr fasst das gelbe Haus nicht. Die Flüchtlinge und die Helfenden sind übrigens leicht zu unterscheiden. Erstere haben schwarze Haare und sind oft jung und klein; die anderen sind größer gewachsen, und ihre Haare sind nicht selten grau. Angela Merkel ist nicht gekommen, weil sie in Baden-Württemberg einen mühsamen Wahlkampf bestreiten muss. Aber sie ist die Schirmherrin dieses Abends.

Einer der Flüchtlinge heißt Bilal, im Herbst ist er von Damaskus nach Berlin geflohen, ganz allein. Obwohl er als Syrer eine gute Bleibeperspektive hat, will er nicht erkannt werden, bis sein Asylverfahren abgeschlossen ist. Bilal ist 18 Jahre alt. „Das Musik“, sagt er, „ich liebe sehr.“

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