Flughafen BER : Die Kunst ist fertig

Die Verzögerungen rund um den Berliner Großflughafen sind ein Trauerspiel – aber der Bau hat jetzt schon attraktive Seiten. Sechs Künstler haben die Ausschreibung gewonnen. Einer von ihnen ist der Amerikaner Matt Mullican.

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Ein Teppich aus Metall. Der „Magic Carpet“ der 1963 geborenenen Kalifornierin Pae White. Foto: Marion Schmieding und Alexander Obst
Ein Teppich aus Metall. Der „Magic Carpet“ der 1963 geborenenen Kalifornierin Pae White. Foto: Marion Schmieding und Alexander...

Wie ist wohl ein Künstler, der sich keiner geringeren Aufgabe verschrieben hat, als die Gesamtheit der Welt endlich mal zu ordnen? Der dafür bekannt ist, unter Hypnose Kritzelzeichnungen zu produzieren – das Stück für 1360 Euro – und mit „Glen“ umherzureisen, einem von ihm erfundenen Strichmännchen, über das er in der dritten Person spricht?

Matt Mullican hat all das schon getan. Er ist einer der letzten Künstler, die noch ernsthaft polarisieren: Bei seiner großen Retrospektive im vergangenen Sommer in München waren sich die deutschen Kritiker nicht ganz einig, ob es sich nun um „eine der spannendsten Schauen des Jahres“ handelte oder ob man sich doch eher vorkommen müsse „wie beim Casting für Lars von Triers ,Idioten‘“.

Kunst mit Helm und Warnweste

Künstler Matt Mullican: "Kunst auf Flughäfen darf nicht zu schrill sein."
Künstler Matt Mullican: "Kunst auf Flughäfen darf nicht zu schrill sein."Foto: promo

Treffen mit Matt Mullican in seiner Wahlheimat Berlin. Es ist ein grauer Montagmorgen Anfang Mai, Mullican trägt eine schwarze Jeans, ein schwarzes Kordsakko und ein freundliches Gesicht. Nur ein Altersfleck verrät, dass er bereits 60 Jahre alt ist. Der US-Amerikaner ist einer der bekanntesten internationalen Künstler, die momentan in Berlin leben und arbeiten. Er nahm an drei Documentas teil, seine Arbeiten wurden im Museum of Modern Art in New York, der Tate in London oder der Berliner Nationalgalerie ausgestellt.

In seinem Werk geht es immer um die Wahrnehmung der Welt und wie man sie darstellt. Vor einem Jahr hat er den Auftrag erhalten, eines der sechs Kunstwerke für den neuen Flughafen Berlin Brandenburg beizusteuern. Matt Mullican möchte uns seine Arbeit zeigen. „Immer noch? Das kann doch nicht sein!“, sagt er, als ihn ein Flughafen-Mitarbeiter darauf hinweist, man müsse Gummistiefel mit Stahlkappen, einen Helm und eine Warnweste tragen. Er sagt es in klarem Amerikanisch.

Abgehoben: Die Kunst auf dem Flughafen BER als Fotogalerie:

Flughafen BER - Kunst am Bau
Fliegender Teppich. Sechs internationale Künstler haben sich mit dem Thema „Luft-Land“ auseinandergesetzt und jeweils ein Kunstwerk für den Flughafen BER geschaffen - und sind, im Ggeensatz zu den Airport-Planern, rechtzeitig fertig geworden. Hier "The Magic Carpet" der kalifornischen Künstlerin Pae White.Weitere Bilder anzeigen
1 von 11Foto: Marion Schmieding & Alexander Obst
01.06.2012 17:51Fliegender Teppich. Sechs internationale Künstler haben sich mit dem Thema „Luft-Land“ auseinandergesetzt und jeweils ein...

Obwohl er bereits seit Jahren in Berlin lebt, spricht er nur „tiny bits“ Deutsch, ein klitzekleines bisschen. Auf dem Areal riecht es verbrannt, Funken sprühen, Staub wirbelt, es wird geschweißt, geschwitzt. Mullicans junger Architekt, der das Projekt umsetzt, will gute Laune verbreiten: Auf Großbaustellen sehe es einen Monat vor der Fertigstellung immer so unfertig aus. Am Tag darauf wird die Eröffnung offiziell abgesagt, inzwischen weiß man, dass die ersten Flugzeuge vom künftigen Willy-Brandt-Airport erst im März 2013 abheben werden. Immerhin: Die Kunst ist fertig. Mullicans Laune hebt sich, als er sein Werk sieht. Er steht mit blauem Helm und orangefarbener Weste vor den zwei Pavillons, die er gestaltet hat. Mullican wirkt jetzt wie ein Bauleiter und nicht wie ein exzentrischer Künstler. Nicht einmal für den Fotografen möchte er den Helm kurz abnehmen, um keinen Ärger mit dem Flughafenpersonal zu riskieren. Matt Mullican, so scheint es, ist ein braver Bürger.

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