Kultur : Flying Luttenbachers: Chicago-Band im Maria am Ostbahnhof

Volker Lüke

Die Schockwellen der Halloween-Nacht sind kaum abgeklungen, da kommt mit den Flying Luttenbachers aus Chicago eine Band ins Maria am Ostbahnhof, die ihrem Publikum als Klang gewordener Schrecken zu Leibe rückt. "Alptraum" nennt sich folgerichtig ihr aktuelles Machwerk, bereits das achte Album seitdem der Schlagzeug-Berserker Walter Weasel die Truppe seit knapp zehn Jahren zusammenhält. Im letzten Jahr noch als Death-Metal-Trio unterwegs, hat er sich diesmal mit Fred-Lunberg Holm am Cello, Kurt Johnson am Kontrabass und dem tollen Saxophonisten Michael Colligan ausgewiesene Größen der Chikagoer Free-Jazz-Improvisations-Szene mitgebracht. Stilvoll entrollt sich ihre spielerische Klasse, keiner verliert sich ans Herumkaspern, sondern hält immer fest an Power und Drive, an einer rhythmischen Vorwärtsbewegung, dem rituell-rhythmischen Beben, Wummern und Stampfen des Felsengewittergetrommels von Weasel Walter, der in Reitstiefeln, Reithose, Krawatte, Kriegsbemalung und zwei gezwirbelten Teufelshörnchen auf dem kurzgeschorenen Haar mit wilder Entschlossenheit auf die Felle drischt. Er ist das Schwungrad, zu dem sich alle Töne verdichten wie das Kreischen von Kreide auf der Tafel. Eine Tortur, die sich hineinfrisst ins mürbe Skelett, das heftig vibriert unter dem Beat der bulligen Rückkopplungen. Ein Ereignis.

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