Kultur : Fontanes Welt

Fontane - und noch keine Ende und das im wörtlichsten Sinn: Ihren Beitrag zum Fontane-Jahre nämlich, der einer der persönlichsten und charmantesten ist, den dieses Erinnerungsjahr gebracht hat, hat die Galerie Brusberg bis Mitte November verlängert.

Fünf Künstler hatte Dieter Brusberg vor Jahresfrist aufgefordert, sich von den Werken des Dichters inspirieren zu lassen, drei aus dem Osten, zwei aus dem Westen, fünf Bildserien sind entstanden - unter offenbar kräftiger, fragender und drängender Anteilnahme des Kunsthändlers -, dazu fünf Texte: auch dies, so ist es gemeint, eine Deutschstunde.Gefragt waren keine Illustrationen im engeren Verständnis, sondern Malerbücher, die sich mit einem oder mehreren Werken auseinandersetzten.

Ist es Zufall, daß die ostdeutschen Künstler näher am Text bleiben als die westdeutschen? " Wir leben nicht mehr in der Zeit Menzels", formuliert zwar auch Bernhard Heisig seine Distanz zur Illustration, aber seine Zeichnungen zu "Schach von Wuthenow" tasten mit ihren sensiblen Grautönen doch nach den Umrissen der Geschichte, auch wenn sie sie eher in Gefühls- und Stimmungswerten erfassen.Harald Metzkes bewältigt sein Thema, "Cecile", vor allem in kräftig-quirligen Aquarellen - "Fontanes Bildern müssen neue hinzugefügt werden.Ihn verehren, heißt seinen Reichtum mehren".Ruth Tesmar schließlich gibt in ihren delikat farbigen Blättern jener untergründigen Schicht der Dinge Ausdruck, die "Effi Briest" magisch durchdringt - den "Gegenständen des Lebens, die Feder, das Taschentuch, die Bücher, Schleifen, Blätter, Briefe, Stoffe"; eine Bildfolge als "Psychogramm".

Ganz anders gehen die beiden West-Künstler Mathias Düwel und Dieter Hacker mit Fontanes Welt um.Von New York aus, weit entfernt auch von der Mark Brandenburg, die er, "als Mauerkind, nicht erlebt (hat)", greift Düwel mit seinen Arbeiten zu "Unterm Birnbaum" und "Irrungen, Wirrungen" ins Düstere und Stille - ein Fontane "ohne Zeit und Ort".Und Dieter Hacker antwortet auf das Problem, sich heute dem "Stechlin" zu nähern, indem er Landschaften oder eine kleine Straßenbaustelle malt, die, alles andere als idyllisch oder gar realistisch, die unaufhebbare Distanz zu diesem Werk markieren.

"Zeichnen ist Bildwerden dessen, was man lange ansieht", bekennt Metzkes.Oder dessen, was man liest und vor das innere Auge rückt? Und nicht vieles wirkt da stärker als Fontanes Welt. Rdh.

Die Ausstellung in der Galerie Brusberg, Kurfürstendamm 213, ist noch bis zum 14.November zu sehen.

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