Kultur : Forever Ui

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Die größten Erfolge beruhen oft auf Hindernissen und Zufällen. Columbus störte wahrscheinlich eine gackernde Henne, das wurde die Sache mit dem Ei, und später haben 20 deutsche Verlage das Romanmanuskript eines Jungautors namens Süskind abgelehnt, das hieß „Das Parfum“. Und auch diese Geschichte ist wahr: Auf jenen „Arturo Ui“, dessen unaufhaltsamer Aufstieg sich gestern Abend gerade in der 300. Vorstellung manifestiert hat, auf „dieses dünne Ding, mit dem der Brecht in Amerika gerne auf dem Broadway gelandet wäre“, hatte der hier zitierte Regisseur Heiner Müller 1995 eigentlich keine Lust. Er hätte lieber Brechts harte, eisblütige „Maßnahme“ gemacht, als kommunistische Ideologieabrechnung. Doch der damalige Verwaltungsdirektor des Berliner Ensembles, der die Kassenabrechnung und den kapitalistischen BEBankrott vor Augen hatte, ist vor Müller „auf dem Teppich gelegen“ (H.M.) und hat um etwas Publikumfreundliches gebeten. Und so ist der als Bluthund hechelnde, hitlernde, mit seinen Gliedern hakenkreuzschlagende Martin Wuttke in der Ui-Rolle zum Zuschauermagneten geworden (Foto: dpa). Dazu gastiert das BE mit seinem Evergreen und mit Claus Peymanns Inszenierung des weisen „Nathan“ jetzt erstmals in West-Berlin: in der ehemaligen Freien Volksbühne – weil im BE durch den Aufwand der Schlussproben zu Bob Wilsons „Leonce und Lena“ (mit Grönemeyers Musik) offenbar bis zur Premiere am 1. Mai der Ausnahmezustand herrscht. Tsp

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