Forum : Ritual der Liebe

Regisseurin Ulrike Ottinger staunt über Hochzeitsrituale. Ihr Film "Die koreanische Hochzeitstruhe" zeigt Tradition als Spiel und nicht als Zwang.

Christiane Peitz
Hochzeitstruhe
Festlich. Eine traditionelle koreanische Hochzeit. -Foto: Berlinale

Ulrike Ottinger ist eine leidenschaftliche Sammlerin. In ihren Filmen sammelt die Berliner Regisseurin Kulturen, Rituale, Schönheit. Bilder von Menschen, Städten, Ländern. Dabei sind ihre sorgfältigen Expeditionen in die Fremde niemals nüchtern anthropologisch: Ottinger stellt ihre Fundstücke nicht aus, sie staunt einfach nur – und freut sich. Diesmal über das Hochzeitsritual in Korea, über die Gleichzeitigkeit von Schamanismus und Konsum, uralter Tradition und modernem Metropolenleben.

Ein Paar will heiraten. Es hinterlässt bunte Zettel am Tempel der Wunschzettel. Es steigt auf den Seoul-Tower und fügt den Schlössern der Verliebten am Absperrzaun ein weiteres hinzu. Es macht Fotos. Es lässt sich die Hochzeitstruhe nach einer festgelegten Reihenfolge und wohlbedachter Farbdramaturgie mit kostbaren Stoffen sowie Reis- und Bohnensäckchen füllen. Der Bräutigam trägt die Truhe durch die Straßen von Seoul zum Haus der Braut – und erneut schwelgt Ottingers Kino in farbenprächtigen Details, in der Schönheit der kleinen Dinge.

Am Hochzeitstag selbst werden beide stundenlang frisiert und geschminkt, die Familie lässt sich in unzähligen Varianten fotografieren, bis die Eheschließung dann mit säbelschwingenden Funkemariechen, musikuntermalten Auf- und Abtritten über die Bühne geht, gefolgt von einer Fruchtbarkeitszeremonie samt Trockenobstweitwurf und Huckepack-Finale.

Melodram, Kasperletheater, Plastikoper. Es ist feierlich, aber nie steif: Tradition nicht als Zwangsjacke, sondern als Spiel. Ständig brauchen die Brautleute Zeremonienmeisterinnen, die ihnen sagen, wie man die Teeschale hält oder sich korrekt verbeugt. Wer sich ungeschickt anstellt, trägt zur allgemeinen Erheiterung bei. In Ottingers „Koreanischer Hochzeitstruhe“ steckt mehr als das bloße Staunen über die Schönheit des Ornaments. Nicht das formvollendete Ritual macht den Menschen zur Krone der Schöpfung, sondern das Lachen über die eigene Unzulänglichkeit. Christiane Peitz

13.2., 12.30 Uhr (Cinestar 8), 15.2., 15 Uhr (Arsenal 1)

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