Fotograf Edward Burtynksy im C/O Berlin : Wege zum Ruin

Raffinerien, Motorkult und Gebirge voller alter Autoreifen: Der kanadische Fotograf Edward Burtynsky dokumentiert, wie Öl die Welt verändert hat. Die Galerie C/O Berlin zeigt seine Bilder

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Verbrauchte Natur. Ölfelder in Baku, Aserbaidschan, und Altreifen auf einem Schrottplatz in Westley, Kalifornien. Fotos: © Edward Burtynsky, Courtesy Nicholas Metivier, Toronto, Stefan Röpke, Köln
Verbrauchte Natur. Ölfelder in Baku, Aserbaidschan, und Altreifen auf einem Schrottplatz in Westley, Kalifornien. Fotos: © Edward...

Warmes, gedämpftes Licht, ein paar Wolken über dem Horizont, ein malerischer Sonnenuntergang. Im Vordergrund ragen heruntergekommene Tanker aus dem öligen, golden schimmernden Schlick in den Himmel. Der Kontrast zwischen der Ästhetik der Bilder und dem, was sie zeigen, könnte kaum größer sein in Edward Burtynskys Aufnahmen, die C/O Berlin in der Ausstellung „Oil“ zeigt. Während seiner Arbeit an einer Reihe von Industrieaufnahmen wurde dem kanadischen Fotografen die Bedeutung des Rohstoffes bewusst: „Öl ist zugleich die alles ermöglichende Energiequelle und die Quelle der Bedrohung des menschlichen Lebensraums.“

In drei Kapiteln – Förderung und Raffinerie, Fortbewegung und Motorkult, das Ende des Öls – wird erzählt, welche Wege der Treibstoff zurücklegt. Auf den gestochen scharfen Fotografien kreuzen sich riesige, verschlungene Highwayschleifen, man sieht von Bohrtürmen durchsetzte Wüstenlandschaften, Autorennen auf in die Landschaft gegossenen Asphaltstrecken, Häuser- und Straßenlabyrinthe. Die Bilder des letzten Kapitels zeigen, was am Ende der Energiekette übrig bleibt: Berge von Autoreifen, leere, zusammengeknautschte Ölkanister, ganze Friedhöfe von vor sich hinrostenden Hubschraubern.

Technik dominiert die Natur, Menschen finden sich kaum auf den Bildern. Hauptfiguren sind die Öl verschlingenden Maschinen, etwa Flugzeuge der US Air Force in den Weiten der Wüste von Arizona, Hunderte von Autos in einem VW-Werk, chromblitzende Harleys auf einem Parkplatz bei einem Hardrock-Konzert. In Reih und Glied aufgestellt, wie abgezirkelt, nehmen sie die ganze Landschaft ein. Die Natur ist an den Rand gedrängt, nur in der Ferne sind Bergketten, Wälder, Gebirge zu erkennen. „Ich möchte mit meinen Bildern zum Nachdenken über unseren Umgang mit den verfügbaren Rohstoffen und der Natur anregen“, sagt Burtynsky im Gespräch.

So blickt er aus der Vogelperspektive auf das, was der Mensch mit der Natur macht. Burtynsky fotografiert aus Helikoptern, von Stadiontribünen und Lkw-Hebebühnen aus. Oft genug, glaubt er, sind die Zusammenhänge erst aus einer gewissen Distanz zu erkennen. „Teile von Los Angeles zum Beispiel sind sehr flach und weitläufig angelegt, ohne öffentliches Nahverkehrssystem. In die Vororte kommt man nur mit dem Auto. Das ist ganz anders als in Städten wie Berlin oder London mit ihren mehrgeschossigen Häusern, wo alles dicht beieinander liegt.“ Auch auf diesen Aufnahmen gibt das warme Licht den gewaltigen Straßenzügen etwas Sanftes, Weiches. Edward Burtynsky zeigt, wo überall Öl fließt, auch wenn man es nicht immer sieht, und er führt vor, wie sehr dieser knapp werdende Energieträger durch Menschenhand die Natur verändert. Ein Drama und ein Verhängnis, vorgeführt auf atemberaubend schönen Bildern.

C/O Berlin, Oranienburger Straße 35/36, bis 9. September, täglich 11 bis 20 Uhr, Katalog 98 €.

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