Fotografie : Federn lassen

Das Ethnologische Museum zeigt "Ansichten und Landschaften von Neuseeland aus dem 19. Jahrhundert" - eindrucksvolle Bilder, enttäuschend präsentiert.

Jens Hinrichsen

Geysire fauchen in den Himmel, malerisch glänzen Thermalfelder in der Sonne. Als Hauptattraktion im Seengebiet von Rotorua galten lange die „Rosa Terrassen“ – von denen man auf Schwarzweißfotos freilich keinen vollständigen Eindruck bekommt. Das Ethnologische Museum zeigt „Ansichten und Landschaften von Neuseeland aus dem 19. Jahrhundert“. Die Beleuchtung im Kabinett unter der Südsee-Sammlung lässt zu wünschen übrig, wohl daher wurden die Reproduktionen von 36 Fotos – leider keine Originalabzüge –, die zwischen 1875 und 1895 entstanden, mit körnigen Anti-Reflex-Gläsern abgedeckt: eindrucksvolle Bilder, enttäuschend präsentiert. Namen von Fotografen wie John Richard Morris, Alfred Burton und Edmund Wheeler verbinden sich mit der Entwicklung der Fotografie in Neuseeland – die mit der europäischen Kolonialisierung des pazifischen Inselstaats zusammenfiel. Auf den Fotos sind die konfliktreichen Begegnungen mit den Maori -Ureinwohnern kaum zu spüren – höchstens im brennenden Blick eines weißbärtigen, mit Federn geschmückten Häuptlings, den Josiah Martin 1880 porträtierte. Der Londoner Fotopionier war 1870 nach Neuseeland gekommen, erkannte früh das Potenzial des Tourismus und engagierte sich für den Erhalt natürlicher Landschaften. Davon ist in der Ausstellung einiges zu sehen, etwa der Sutherland-Wasserfall, mit 580 Metern der höchste Neuseelands.

Ethnologisches Museum, Lansstr. 8, bis 29. 3., Di-Fr 10-18, Sa u. So 11-18 Uhr.

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