Fotografie : Seelenblicke

Ob Theodor W. Adorno, Loriot oder die Herren vom Taubenzüchterverein Herne: Er schafft gültige, doch nie bleierne Bilder. Zum 80. Geburtstag des Fotografen Stefan Moses.

Michael Zajonz
Moses
Stefan Moses -Foto: ddp

Ein kleiner Junge und ein kleiner Kater liegen Seite an Seite am Boden. Beide tragen chinesische Katzenmasken aus Pappmaché. Als wären sie Blutsbrüder. Der Kater heißt Juschka, der Junge Manuel. Er ist der Sohn von Stefan Moses. Das Bild stammt aus seinem ersten und berühmtesten Fotobuch „Manuel“, erschienen 1967. Es zeigt ein Jahr im Leben des heranwachsenden Sohnes. Ein Buch voller Zuneigung, das nach 40 Jahren noch so jung ist wie am ersten Tag. Obwohl die Zeichen der Zeit, die Aufbruchsstimmung der sechziger Jahre, in Moses’ Fotos immer mitschwingen. Und wie sie schwingen!

Der 1928 in Liegnitz/Schlesien geborene Fotograf lernt sein Handwerk in Breslau. Nach einer ersten Nachkriegsstation als Theaterfotograf am Nationaltheater Weimar zieht es Moses 1950 nach München, wo er bis heute lebt. Begonnen hat Moses als Fotoreporter, für den „Stern“ etwa. „Manuel“ wird sein erster Bucherfolg. Danach gibt er nicht nur die Reporterkarriere auf, sondern hat auch seine fotokünstlerische Form gefunden und arbeitet fortan an sich über Jahre entwickelnden Serien.

Berühmt wird Moses mit seinen Porträts berühmter und unbekannter Zeitgenossen. Aus ihnen blitzt hervor, was man ein humanistisches Menschenbild nennen könnte. Ob Theodor W. Adorno, Loriot oder die Herren vom Taubenzüchterverein Herne: Moses schafft gültige, doch nie bleierne Bilder. Gern fotografiert er Menschen vor einem neutralen hellgrauen Leinentuch, das die Individualität „seiner“ Protagonisten umso heller strahlen lässt. Nach „Deutsche. Porträts der Sechziger Jahre“ (1980) erscheint 1991 „Abschied und Anfang – Ostdeutsche Porträts“. Der West-Klassiker Moses hat der untergehenden DDR einprägsame Gesichter verliehen.

„Vieles entdeckt man erst, wenn man die Bilder entwickelt“, räumt Moses ein. Unendlich viel, möchte man hinzufügen, entdeckt man auf seinen scheinbar vertrauten Fotografien beim zweiten, dritten Hinschauen. Man traut diesen Bildern. Und das nicht nur, weil sie analog fotografiert sind. Stefan Moses feiert heute seinen 80. Geburtstag. In seinen Fotos ist er jung geblieben. Michael Zajonz

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