Kultur : Fotografie: Unterbelichtet: das Berliner Foto-Museum

Ronald Berg

Der Berg kreißte und gebar eine Maus. Sie nennt sich Deutsches Zentrum für Photographie (DCP). Ein anmaßender Titel für ein Institut ohne Etat, ohne Ausstellungsräume und mit gerade einmal zwei Mitarbeitern. Was vor Jahren als nationales "Kompetenzzentrum" apostrophiert wurde, ist heute nur mehr eine Unterabteilung der Nationalgalerie und der Kunstbibliothek. Berlin wird das in Aussicht gestellte Fotografie-Museum im östlichen Stülerbau am Schloss Charlottenburg also nicht bekommen.

Die Fotografie habe keine Lobby, sagt Manfred Heiting, der als Projektleiter der Stiftung Preußischer Kulturbesitz die großen Pläne für das DCP erarbeitete. Offensichtlich rangiert die Fotografie auf der Agenda derjenigen ganz weit unten, die sich gleichzeitig brüsten, über welche Schätze sie in ihren Museumsdepots verfügen. Jahrzehntelang wurden die erlesenen Stücke der Kunstfotografie um 1900 oder die Epoche machenden Aufnahmen der Werkbund-Ausstellung "Film und Foto" von 1929 von der Stiftung Preußischer Kulturbesitz schlicht vergessen. Die Sammlungstätigkeit kam in den frühen dreißiger Jahren zum Erliegen. Trotzdem sieht die Stiftung offenbar keinen Bedarf, die Mängel und Versäumnisse aufzuarbeiten.

Der Stiftungsrat, so die Begründung, habe keine zusätzlichen Mittel für die Foto-Kunst genehmigt. Und die 17 Berliner Museen der Preußen-Stiftung sitzen auf ihren Sammlungen und wollen für ein gemeinsames Foto-Museum nichts herausgeben. Bund und Länder sollen zahlen. Das aber könnte frühestens 2005 passieren, wenn ein neues Finanzierungsabkommen für die Stiftung in Kraft tritt.

Die Fotografie, das zentrale Medium des 20. Jahrhunderts, dämmert in der Berliner Museumslandschaft weiter vor sich hin. Die Zeit arbeitet gegen das DCP und seine eventuelle Erweiterung in den kommenden Jahren oder Jahrzehnten. Sammlungen - wie die von Helmut Newton, der das DCP einmal mit aufbauen wollte - und Nachlässe wandern ab. Das Preisniveau für Fotografie zieht weiter stark an, und am Berliner Bestand nagt der Zahn der Zeit.

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