Fotografie : Werner Bischofs Blick für die Menschen

Das Suermondt-Ludwig-Museum in Aachen zeigt 100 Fotografien von Werner Bischof. Der Schweizer zählt zu den bedeutendsten und prägendsten Reportage-Fotografen des 20. Jahrhunderts.

Aachen - Die Auswahl besteht aus klassischen Schwarz-Weiß-Fotografien mit berühmten Motiven wie den voranschreitenden, Flöten spielenden Jungen in Peru. Bilder aller wichtigen Schaffensphasen seien zu sehen, teilte ein Sprecher des Museums mit. Die Ausstellung, die am Samstag eröffnet wird und bis zum 6. Mai dauert, wurde von der Agentur Magnum Photos Paris auf Initiative des Aachener Museums und der Städtischen Galerie Iserlohn organisiert.

Bischof starb 1954 mit nur 38 Jahren bei einer Bildreportage in den Anden. Aber in den 20 Jahren seiner Arbeit drückte er der Fotografie seinen Stempel auf: Es entstanden unaufdringliche Menschen-Bilder - respektvoll, zurückhaltend - und immer in der richtigen, über die Ästhetik entscheidenden Sekunde. "Die Sensationspresse war ihm zuwider. Bischof würde verzweifeln, wenn er heute arbeiten müsste", sagte Ausstellungs-Kuratorin Sylvia Böhmer.

Unspektakulär, aber eindringlich

Mit dem Handwerk aus der Objekt-Fotografie reiste er 1945 aus seiner heilen Schweizer Heimat mit dem Fahrrad durchs zerstörte Nachkriegsdeutschland, später durch Frankreich, Luxemburg. Von da an galt sein Blick den Menschen. Es entstanden unspektakuläre Fotos wie die eines Deutschen, der wiederverwertbare Ziegelsteine aus den Trümmern mit dem Hammer bearbeitet.

Durch seine im amerikanischen "Life Magazine" veröffentliche Reportage "Hunger in Indien" (1951) wurde Bischof international bekannt. Die Aachener Ausstellung zeigt eines der berühmtesten Bilder: Die ausgemergelte Mutter, das Gesicht gezeichnet von Leid und Verzweiflung, ihr Kind mit dem Hungerbauch auf dem Arm. Es ist ein Foto des Elends, in dem der Mensch seine Würde behält. "Egal, wo er arbeitet, er hat die gleich bleibende Achtung vor den Menschen", sagte Böhmer.

Der peruanische Junge - perfekte Symmetrie

Bischof blieb in Asien, lieferte Reportagen aus Korea, Hongkong, Indochina und Japan. "Alle wichtigen Fotos, die in dieser Zeit entstanden, sind in der Ausstellung vorhanden, sagte Böhmer. Sein Sohn Marco Bischof hat sie ausgewählt, von der Agentur Magnum Photos, der er 1959 als einer der ersten Fotografen beitrat, wurden sie vergrößert.

Bischof starb bei einem Autounfall in Peru. Wenige Tage vorher hatte er das weltberühmte Bild des peruanischen Jungen gemacht, der auf einer Schotterpiste am Abgrund zielstrebig voranschreitet. Er spielt dabei Blockflöte, ist mit sich beschäftigt. Das Bild entstand in der Sekunde, wo linkes Bein und Flöte vollkommen parallel ausgerichtet waren. Die Haltung des Jungen mit der über die Schulter geschwungenen Last ist perfekte Symmetrie. (Von Elke Silberer, dpa)

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