Fotografieausstellung : Der helle Fleck

Das Museum für Fotografie zeigt Bilder aus dem Japan der Nachkriegszeit. Die Schwarz-Weiß-Aufnahmen spiegeln sowohl die Schrecken des Krieges als auch die zurück gewonnene Lebensfreude der Menschen.

Jens Hinrichsen
Heimkehr. Entlassene Soldaten, 1946 in Tokio. Foto: Yoshikatsu Hayashi
Heimkehr. Entlassene Soldaten, 1946 in Tokio. Foto: Yoshikatsu Hayashi

Kriegsende in Japan. Soldaten kehren in verwüstete Städte zurück. Bewohner Tokios, die für Lebensmittel Schlange stehen, werden von einem Charlie-Chaplin-Double begrüßt. Erstmals ist das Land von einer fremden Macht besetzt, US-Militärpolizisten regeln den Verkehr, Japanerinnen gehen mit Amerikanern aus. Die Gesichter auf den Bildern spiegeln Trauma und Erleichterung. Auch die japanischen Fotografen jener Jahre sind von einer Last befreit. Propaganda und Zensur sind überwunden, die Zustände können gezeigt werden, wie sie sind.

„Die Metamorphose Japans nach dem Krieg“ – so der Titel der eindrucksvollen Ausstellung im Berliner Museum für Fotografie – bezieht sich nicht nur auf den kulturellen Wandel zwischen 1945 und 1964. Die Schwarz-Weiß-Aufnahmen machen zugleich die ästhetische Entwicklung des Mediums sichtbar, vom Realismus hin zum subjektiven Ausdruck. Ken Domon etwa fordert den „absolut reinen Schnappschuss, absolut uninszeniert“. Seine Aufnahmen dokumentieren, wie sich das Gesicht Japans im industriellen Fortschritt verändert. Hiroshi Hamaya und Ihee Kimura dagegen richten den Blick auf Regionen, in denen sich Traditionen erhalten hatten. Kurator Tsuguo Tada sieht hier „Gemeinsamkeiten mit der humanistischen Fotografie im Westen“.

Den Parcours eröffnet ein heller, kreisrunder Fleck vor schwarzem Grund. Am 15. August 1945 hört Hiroshi Hamaya die Nachricht vom Kriegsende, läuft spontan aus dem Haus und fotografiert die Mittagssonne. Das Motiv erinnert an die Sonnenscheibe der japanischen Nationalflagge – und an die Atombombenexplosionen, die das Land zur Kapitulation zwangen. In einem Extrakabinett werden amerikanische Fotos detonierender A-Bomben aus der Sammlung der Berliner Kunstbibliothek gezeigt. Die Präsentation der auf perverse Art anmutigen Atompilze wirkt in Nachbarschaft der „Metamorphose“-Schau geschmacklos. Daran ändern auch die verstörenden Bilder im selben Kabinett nichts, die Yosuke Yamahata am Tag nach dem Abwurf der Bombe vom verwüsteten Nagasaki machte. Jens Hinrichsen

Museum für Fotografie, Jebensstr. 2, bis 17. 6.; Di-Sa 10-18, Do 10-22 Uhr. Kat. 6,90 €.

0 Kommentare

Neuester Kommentar