FOTOGRAFIE„Belichtung“ von Jeff Wall : Statisten des Alltags

Christina Tilmann

Er ist wahrscheinlich der berühmteste kanadische Künstler der Gegenwart – und schon längst ein Klassiker, gefragt und gefeiert. Seine überscharfen, großformatigen Bilder, denen Leuchtkästen eine geradezu unheimliche Brillanz verleihen, sind ein Markenzeichen geworden, manche von ihnen wie „Tote Soldaten sprechen“ von 1992 geradezu Ikonen der Moderne. Aber auch zum Thema Bildmanipulation ist Jeff Wall ein viel zitierter Kronzeuge: Seine so zufällig und alltäglich erscheinenden Straßenszenen sind oft bis ins Kleinste inszeniert und oft in mehrtägiger Arbeit mit Statisten entstanden. Das gibt ihnen ihre beunruhigende Kraft: Die Bilder tragen das Misstrauen in sich, kombinieren Dokumentation und cinematografische Effekte. Einen Fotokonzeptualisten hat man Jeff Wall deshalb genannt.

Nachdem 2005/06 im Schaulager Basel sowie der Tate Modern in London und zuletzt im New Yorker MoMA eine umfangreiche Jeff-Wall-Retrospektive zu sehen war, feiert die Deutsche Guggenheim Berlin ihr zehnjähriges Bestehen nun mit einer neuen Werkgruppe, die als Auftragsarbeit entstand: vier Arbeiten, die alltägliche Szenen zeigen, wie spielende Kinder sowie eine Gruppe Arbeitsloser, die auf einen Job warten. Einflüsse der Dokumentarfotografie wie des neorealistischen Films erkennt Kuratorin Jennifer Blessing in den brillanten Schwarz-Weiß-Fotografien. Jeff Wall wird selbst am 3. November um 11.30 Uhr einen Artist’s Talk in der Deutschen Guggenheim sowie am 4. November um 15 Uhr eine Lecture bei c/o Berlin im Postfuhramt halten. Christina Tilmann

Deutsche Guggenheim Berlin, Sa 3.11. bis

So 20.1.2008, tägl. 10-20 Uhr, Do 10-22 Uhr,

Mo: Eintritt frei

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