Fotografien von Hélène Binet im Bauhaus-Archiv : Steine sprechen

Sprechende Fotografie: Architekturaufnahmen von Hélène Binet im Berliner Bauhaus-Archiv

von
Lichtkunst. Binets Sicht auf Zumthors Kolumba Kunstmuseum in Köln.
Lichtkunst. Binets Sicht auf Zumthors Kolumba Kunstmuseum in Köln.Foto: Hélène Binet

„Ich betrete einen Raum und im Bruchteil einer Sekunde habe ich bereits ein Gefühl dazu“, hat der Schweizer Architekt Peter Zumthor einmal gesagt. Das Zitat findet sich in dem schmalen Katalog zur Ausstellung des Bauhaus-Archivs, „Dialoge – Fotografien von Hélène Binet“, und es beschreibt zugleich ebendiese Fotografien. Kein Wunder, dass die 1959 im Tessin geborene, in Rom aufgewachsene und in London lebende Fotografin insbesondere das Werk von Zumthor beobachtet hat. So sind in der Ausstellung Aufnahmen von der längst weltberühmten Therme in Vals (Graubünden) zu sehen, die das geheimnisvolle Spiel des Wassers in dieser künstlichen, aber nichtsdestoweniger faszinierenden Höhle einfangen. Auch bei zwei weiteren Bauten Zumthors gelingt es der Fotografin, die eigentliche „Botschaft“ der Architektur einzufangen, bei der Bruder-Klaus-Kapelle in der Eifel und beim Museum Kolumba in Köln. Die Botschaft, das ist in beiden Fällen das Licht, das geheimnisvoll ins Innere dringt und die begrenzenden Wände des jeweiligen Raumes transzendiert.

In Analogie zur „sprechenden Architektur“ könnte man von „sprechender Fotografie“ reden: Fotografie, die nicht das Sichtbare reproduziert, sondern die Essenz eines Bauwerks aufspürt. Das gelingt Binet gleichermaßen bei Le Corbusiers Kloster La Tourette im französischen Eveux, wo Licht ein konstitutives Element der Architektur bildet. Es gelingt indessen nicht mehr bei Bauten, die einer solchen Aura entbehren, wie dem IBA-Wohnhaus von John Hejduk in der Südlichen Friedrichstadt von Berlin oder gar bei Ludwig Leos rosa-blauem Umlauftank der Wasserbauversuchsanstalt mitten auf der Schleuseninsel im Landwehrkanal.

Hélène Binet fotografiert Architektur, aber sie ist keine Architekturfotografin im landläufigen Sinne. Sie dokumentiert nicht, sondern interpretiert und versucht, sichtbar zu machen, was sie – und gegebenenfalls der betreffende Architekt – für wichtig hält. Man vergleiche ihre Schwarz-Weiß-Fotos der Valser Therme mit den Farbaufnahmen der nicht minder berühmten (österreichischen) Kollegin Margherita Spiluttini. Binet bevorzugt An- und Ausschnitte, Details, überraschende Perspektiven. Das Bauwerk im Ganzen erschließt sich nicht. Ebenso wenig wie die Landschaft, die sie fotografiert: Im Bauhaus-Archiv zu sehen sind einige Aufnahmen aus der chilenischen Atacama-Wüste, eine der lebensfeindlichsten überhaupt. Und zugleich von ungeheurer grafischer Faszination. „Ihre Bilder laden uns dazu ein“ – heißt es an anderer Stelle im Katalog –, „etwas wiederzuentdecken, die Architektur zu ,fühlen', ihrem Rhythmus und ihren Klängen zu lauschen...“ In Zumthors Bauten hat Hélène Binet die Architektur gefunden, die sie kongenial in Bilder zu übersetzen vermag.

Bauhaus-Archiv, Klingelhöferstr. 14, bis 26.10., Katalog 10 €.

0 Kommentare

Neuester Kommentar