Kultur : Fotoschau von Michel Comte in der der Berliner Galerie Camera Work

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Das Model auf dem Ausstellungsplakat heißt Maryanne. Sie ist nackt, hat den Kopf gesenkt, die Arme erhoben. Der sich motivgeschichtlich aufdrängende Kreuzigungsgestus erscheint jedoch mehrfach gebrochen, die Szene wirkt eher traumhaft-entrückt denn blasphemisch. Wie mit hellem Stift gezeichnet, schält sich der nackte Körper aus tiefem raumlosen Schwarz heraus, nur bei genauem Hinschauen erkennt man Atelierdetails. In der Ausstellung der Berliner Galerie Camera Work (Kantstraße 149, bis 23. Oktober) gibt es ein Pendant, auf dem dieselbe Frau erscheint, nun mit erhobenem Kopf, lächelnd, als sei sie aus einem Alptraum erwacht. Bilder wie diese bestimmen - neben Porträts - die Fotoschau von Michel Comte mit schwarz-weißen und farbigen Aufnahmen aus den letzten zehn Jahren in verschiedenen Formaten (jeweils 3800, 8500 bzw. 20 000 Mark). Geboren 1953 in Zürich, begann Comte nach einer Ausbildung als Kunstrestaurator zu fotografieren. Ab 1979 in Paris, danach in New York und Los Angeles lebend, arbeitet er vor allem als Modefotograf für Magazine wie "Vogue" und "Vanity Fair", gestaltet Werbekampagnen und hat sich in den letzten Jahren auch der Reportagefotografie zugewandt. Die großen Namen der Modeszene, die Stars aus Film, Kunst und Showbusiness stehen im Mittelpunkt seiner lichtbildnerischen Inszenierungen, sie sind gleichsam der lebendige Stoff, aus dem er seine Körperkompositionen formt. Vielfach sind es höchst erotische Inszenierungen, mit Frauen, die sich auf Sofas, Matratzen und zerwühlten Laken rekeln, in der Badewanne liegen, rauchen oder dösen. Die exaltierten Posen sind Anspielungen auf kunsthistorische Bildtopoi häufig religiöser Provenienz, persiflierend, nahe am Kitsch. Es sind imaginative Bilder, entstanden aus der Zusammenarbeit zwischen Fotograf und Modell, dessen Vorname den Bildtitel abgibt: Carla, Courtney, Helena, Tatjana . . .

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