Kultur : Fototräume auf kleiner Flamme

Auch in ihrer vierten Ausgabe zeigt sich die Kunstköln ambitioniert, aber ohne klares Profil

Magdalena Kröner

Drei Messen auf einen Schlag? Wie bereits in den vergangenen Jahren sollte die zeitliche Überschneidung von Westdeutscher Kunstmesse, Kunstköln, und Antiquariatsmesse Energien bündeln. Den konzentrierten Auftritt für die Kunst nimmt man gerne mit, sei es als Sammler oder als Galerist, möchte man meinen. Doch schon bei der Eröffnung zeigte sich das altbekannte Bild: Die gesetzteren Gäste strömten nach oben zur 34. Westdeutschen Kunstmesse, die Jüngeren und die Fotospezialisten blieben auf der Kunstköln weitgehend unter sich. Statt geballter Kunstpower machte sich ein Ausfransen der Energien breit: das auffallend schlecht besuchte Messe-Triumvirat zeigt sich unausgeglichen.

Die Kunstköln bleibt auf der Suche nach Profil. Besonders beeinträchtigt war in diesem Jahr der Auftritt der Fotografie – mit einer von 25 auf 16 reduzierten Ausstellerzahl auf dem nunmehr dritten Sonderbereich „kölnphoto“. Schuld daran war die zeitgleich stattfindende Art Brussels, der viele Fotogalerien wie etwa Thomas Zander oder auch das Büro für Fotos (beide Köln) in diesem Jahr den Vorzug gaben. Andere, wie etwa Priska Pasquer (Köln) oder Rudolf Kicken (Berlin), verzichteten schlicht. Die teilnehmenden Fotogalerien setzten verstärkt auf Dokumentarisches und nutzten die Chance, Einzelpositionen Raum zu geben. So präsentierte Ingo Löhrl (Mönchengladbach) den weniger bekannten Becher/Ruff-Schüler Christof Klute, während Axel Thieme (Darmstadt) kubanische Impressionen von Castañeda zeigte. OMC (Düsseldorf) konnten reges Interesse an Fotografien des amerikanischen Kriegsfotografen James Nachtwey verzeichnen und profilierten sich außerdem im Bereich zeitgenössischer südafrikanischer Fotografie. Herausragend waren dabei Guy Tillims Eindrücke von den afrikanischen Krisenherden Angola oder Eritrea (ab 650 Euro).

Kölnphoto-Initiatorin Sabine Schmidt sieht sich in ihrer Idee bestärkt: „Das, was wir wollen, funktioniert schon jetzt sehr gut: intensiver Austausch zwischen Sammlern, Künstlern, Kuratoren und Galeristen, das Entdecken neuer Positionen in einem Umfeld, das weniger hektisch ist als etwa auf der Art Cologne. Auf dem Weg zum Ziel, ein interessantes, paralleles Angebot zur Paris Photo zu machen, sind wir ein gutes Stück weiter gekommen.“ Abgerundet wurde das reduzierte, aber klare Fotoangebot durch die von Barbara Hofmann kuratierte Sonderschau zur Caldic Collectie, der hochrangigen Fotosammlung des Rotterdamer Industriellen Joop van Caldenborgh. Und auch der diesjährige Kunstkölnpreisträger Jörg Sasse arbeitet mit Fotografie.

Eine Etage höher zeigte die WKM ein gewohnt gediegenes Angebot. Highlight und teuerstes Stück war Picassos „Femme assise“ für 3,5 Millionen Dollar bei Beck und Eggeling (Düsseldorf). „Insgesamt lief es sehr schleppend,“ berichtet Ute Selbeck, „wir überlegen uns schon, ob sich ein weitere Teilnahme lohnen wird.“ Gute Laune herrschte dagegen im Sonderbereich zur traditionell qualitätsvoll besetzten Art Brut: „Diese Kunst wird endlich als eigenständige Richtung anerkannt, das ist ein großes Verdienst dieser Messe. Und das zeigt sich auch in den Verkäufen,“ konstatiert Susanne Zander, die auf ihrem Stand eine Neuentdeckung präsentierte: den Russen Alexander Lobanov . Auch die Sonderausstellung zur hochrangigen Sammlung des französischen Filmemachers Bruno Decharme lieferte reichlich Anschauungsmaterial.

Die erst kürzlich verjüngte Abteilung „Kunst nach 1980“ zeigte sich weiter unausgegoren, bestätigte jedoch den Trend zu figurativer Malerei, etwa von noch zu entdeckenden Düsseldorfer Malereistudenten bei Peter Tedden. Manches überschritt jedoch kaum den Rang des Kunsthandwerklichen. So lässt sich ein prägnanter Auftritt der jungen Kunst neben Frankfurt und Berlin nicht erreichen. Warum überlässt man dieses weite Feld nicht der Art Cologne, die sich hier – wenn auch nicht als „Artpole of the World“– hervorragend platziert?

Ein Schritt in die richtige Richtung könnten Pläne zur weiteren Spezialisierung der Messe sein. Zukünftig will man das Augenmerk verstärkt auf Osteuropa richten. Das ließ sich bereits jetzt an einer auffällig hohen Zahl von Galerien etwa aus Budapest erkennen, sowie einer Sonderschau zu ungarischen Privatsammlungen. Das Kölner Messe-Triumvirat schaut nüchtern, aber entschlossen nach vorn – die Spezialisierung scheint den Weg zu weisen.

34. Westdeutsche Kunst Messe Köln noch bis zum 13. April.

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