FRANK CASTORF INSZENIERT„Emil und die Detektive“ : Die helle Seite des Alex

Sandra Luzina

Wer hat als Kind nicht mitgefiebert, wenn Emil, Pony Hütchen und die anderen aus der Kinderbande den arglistigen Herrn Grundeis quer durch Berlin verfolgen? Erich Kästners berühmter Roman aus dem Jahr 1929 ist längst ein Klassiker der Kinderliteratur. Die Geschichte von dem 11-jährigen Emil aus Neustadt, dem im Zug 140 Mark geklaut werden, ist immer wieder verfilmt worden – und Kästner selbst besorgte eine Theaterfassung.

„Parole Emil“ heißt es nun auch an der Volksbühne. Frank Castorf bringt den Roman auf die Bühne und hat dabei offenkundig auch neue Zielgruppen im Auge – seine Aufführung kommt in zwei Versionen heraus: eine für Kinder ab 9 Jahren und eine ab 17 Jahren. Nostalgisch wird’s garantiert nicht zugehen. Castorf feiert nicht die Goldenen Zwanziger. Der Regisseur sieht Parallelen zu einem anderen berühmten Berlin-Roman: Seine „Emil“-Inszenierung ist so die taghelle Seite seiner düsternen Döblin-Dramatisierung „Berlin Alexanderplatz“ und wird auch im selben Bühnenbild gespielt. Castorf entdeckt in „Emil und die Detektive“ eine Zwischenwelt: Inflation, Verarmung und Orientierungslosigkeit der Zwischenkriegszeit bedrohen auch die Lebenswelt der Kinder. Der Griff in Emils Portemonnaie ist da nur der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt. Die Kinder verbünden sich und kämpfen gemeinsam für Gerechtigkeit. Elf Kinder und zwei Autos spielen mit in „Emil“, Milan Peschel gibt den Trickbetrüger Grundeis, dem die Bande am Ende das Handwerk legt. Für einen Abend heißt es an der Volksbühne: Kinder an die Macht. Sandra Luzina

Volksbühne, So 2.12., 18 Uhr (Premiere, ab 17 Jahren) Mo 3.12., 14 Uhr (ab 9 Jahren), So 9.12., 18 Uhr (ab 9 Jahren) 12-32 €

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