Kultur : Frankensteins Liebe - Ein Film über James Whales

Frank Noack

Es gab Zeiten, da bedeutete es das Ende einer Karriere, wenn ein Künstler als homosexuell geoutet wurde. Heute geht es mitunter umgekehrt. So wird der Stummfilm-Beau William Haines derzeit von der US-Schwulenbewegung geehrt, weil er seine Sexualität offen auslebte. Auch Regisseur James Whale, Horrorfilm-Fans ein Begriff, wird nun bekannt. Verdientermaßen, denn "Frankenstein" (1931), "Der Unsichtbare" (1933) und "Frankensteins Braut" (1935) sind bei näherem Hinsehen bewegende Plädoyers für Toleranz.

"Gods and Monsters" schildert die letzten Monate im Leben von James Whale, der 1957 in seinem Swimming-Pool ums Leben kam. Für sein Drehbuch hat Bill Condon 1999 einen Oscar erhalten; als Regisseur wurde er nicht nominiert - beides zu Recht. Denn die Inszenierung ist arg konventionell, obwohl im Kino selten so einleuchtend Filmanalyse betrieben wird. So machen Rückblenden, die Whales Kindheit und seine Erlebnisse im Ersten Weltkrieg schildern, die Verarbeitung des Biografischen in den "Frankenstein"-Filmen deutlich.

Dabei ist der Film nicht streng autobiografisch. Er spekuliert über den Tod des Regisseurs, baut Elemente von "Sunset Boulevard" und "Tod in Venedig" ein. James Whale (Ian McKellen) trauert seiner Filmkarriere nicht nach; er ist vermögend genug, um seinen Lebensabend zu genießen. Aber er begehrt einen muskulösen Gärtner (Brendan Fraser) und kann seine Gier nur schwer kontrollieren. Es spricht für Condon, dass er Whale nicht als Opfer einer homophoben Gesellschaft zeichnet, sondern als einen bei aller Kultiviertheit auch würdelosen Schwulen, der die Heterosexualität eines sozial Abhängigen nicht respektiert.Babylon (OmU), Broadway, Ft Friedrichshain, Hackesche Höfe, Kant, Xenon (OmU)

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