Frankfurter Buchmesse : Lepenies mit Friedenspreis geehrt

Der Berliner Soziologe Wolf Lepenies ist am Sonntag mit dem renommierten Friedenspreis des Deutschen Buchhandels geehrt worden. In seiner Dankesrede warb der 65-Jährige für einen Dialog mit dem Islam und westliche Selbstkritik.

Berlin - Die mit 25.000 Euro dotierte Auszeichnung wurde dem 65-Jährigen zum Abschluss der Frankfurter Buchmesse im Rahmen eines hochkarätig besetzten Festaktes in der Paulskirche überreicht. Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels ehrt damit unter anderem Lepenies' frühere Arbeit für das Wissenschaftskolleg Berlin und seinen "intellektuellen Anstand".

In den 15 Jahren seines Rektorats des Berliner Wissenschaftskollegs habe er das Kolleg "zu dem vielleicht anregendsten und freiesten Ort Europas" gemacht, hatte der Stiftungsrat des Börsenvereins seine Entscheidung begründet. Die Laudatio hielt der rumänische Philosoph und ehemalige Außenminister Andrei Plesu. Laut Plesu steht Lepenies für einen "friedensstiftenden Krieg der Erkenntnis und der Gerechtigkeit". Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) gratulierte dem Preisträger und sagte, die Ehrung rage heraus durch ihre Begründung, "die in besonderer Weise von Respekt zeugt". Wowereit hob hervor, von der Arbeit des Soziologen für das Wissenschaftskolleg habe die intellektuelle Atmosphäre Berlins "stets profitiert und an Ausstrahlung gewonnen".

Lepenies mahnt zur Selbstkritik

Der Preisträger warb in seiner Dankesrede für einen Dialog zwischen dem Westen und dem Islam, für den auch die Wissenschaften eine Verantwortung trügen: "Es gilt für den Westen, mit aller Kraft die Leitidee eines mit der Moderne kompatiblen Islam zu stärken, die aus der Mitte der muslimischen Welt heraus entwickelt und propagiert wird." Mutige Wissenschaftler spielten dabei schon seit langem eine führende Rolle.

Zugleich betonte Lepenies, eine Kritik des Islam sei "wie jede Religionskritik legitim". Doch dürfe dabei auch der kritische Blick auf die westliche Zivilisationsgesellschaft nicht fehlen. An westlichen Grundüberzeugungen wie den Menschenrechten und der Meinungsfreiheit gebe es allerdings keinen Grund zum Zweifel. "Woran es mangelt, ist die Wärme, mit der wir uns zu unseren Werten bekennen. Ansteckend kann die Demokratie nur wirken, wenn sie nicht routiniert betrieben oder anderen mit Gewalt aufgezwungen, sondern mit Enthusiasmus gelebt wird." Dabei komme es entscheidend auf die Fähigkeit zur Selbstkritik und Selbstbescheidung an. (tso/AFP/ddp)

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