Kultur : Frankreich ist kein Schurkenstaat

Silvia Hallensleben

Der Durchschnittstexaner hält Roquefort vermutlich für eine gebirgige Variante von Fort Knox und die Französin für ein baretttragende Gazelle mit einem festgefrorenen oh-là-là auf den Lippen. Genau so ein Wesen ist Geneviève, die für ein Jahr an der Sindona High zu Gast ist. Denn eine europäische Austauschschülerin ist exakt das fehlende Mosaiksteinchen, das Superschülerin und Cheerleader-Star Starla noch braucht, um ihr curriculum vitae auch in Sachen Völkerverständigung auzupolstern. Das entsprechende Aussehen, den richtigen Freund und ein gerütteltes Maß an Rücksichtlosigkeit hat sie schon im Gepäck.

Der Rest ist Mechanik: Die verschüchterte Pariser Brünette (aasig: Piper Perabo) entpuppt sich nach kurzer Schonzeit als üble Zicke und macht dem Alpha-Weibchen mit fiesen Intrigen den Spitzenplatz auf den Popularitäts-Charts streitig. Starla landet sogar im Knast - wegen Pilzrauschs, so ist das in Texas. Sowas bringt zum Nachdenken. Und so bekommt auch die arrogante Blondine (ganz glaubwürdig: Jane McGregor) endlich die Chance, von ihrem Egotrip runterzukommen und die wahren Werte des Lebens zu erkennen.

Durch die moralisierende Schlagseite verspielt der von deutscher Seite koproduzierte "Freche Biester!" seine einzige Chance. Statt die Puppenstuben-Teenagerwelt auf eine satirische Höllenfahrt zu schicken, begnügt sich Regisseurin Melanie Mayron mit den üblichen exotischen Ritualen einer High-School-Komödie - etwa dem rätselhaften Berufswunsch, ausgerechnet Fernsehansagerin zu werden. Ein Gutes bleibt denn doch: Die französisch-amerikanischen Beziehungen kommen, im Kino jedenfalls, nicht in echte Gefahr: Die gemeine Pariserin, so erfahren wir zum Schluss, kommt eigentlich auch aus Texas. Frankreich ist kein Schurkenstaat.

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