Kultur : Franz Ackermann

Daniel Völzke

Eine schwarze Linie zieht sich vom Pazifik über Ecuador, Peru und Brasilien zum Atlantik. Der Profitouri Franz Ackermann war wieder unterwegs und hat Spuren hinterlassen: In der Galerie Neugerriemschneider zeigt der 1963 geborene Künstler unter dem Titel „From Eden to Lima“ neue Ausgaben seiner berühmten „Mental Maps“ (Preis auf Anfrage).

Auf diesen kleinen Aquarellen, die Ackermann seit den 90er Jahren auf Reisen zeichnet, überlagern sich vage Stadtpläne, Landkarten, Grundrisse. Sind das Fassaden oder Trümmer, Strommasten oder Zweige? Aus dieser Gleichzeitigkeit der Eindrücke entsteht ein farbiges Geschlinge: versiegeltes Welterleben, erstarrte Bewegung, die Erde von oben, die Erde von innen. Netze und Gitter, geografische und architektonische Situationen wuchern an den Wänden in Bleistiftzeichnungen, Malerei und Assemblagen weiter. Die gleichen nervösen Landschaften auf dem gigantischen Ölbild, das wie eine Werbetafel an einem Gerüst hängt. Im Raum steht eine Art Litfaßsäule, zerbrochen wie alles in Ackermanns Reisecenter. Hier klebt die Landkarte, auf der grob der Weg des Künstlers durch Südamerika gemalt ist. Ackermann spielt mit dem Fernweh, mit exotischen Bildern und Klischees, unterschlägt aber auch nicht die Schattenseite der globalen Vernetzung: Kolonialismus, Massentourismus, Terror. Bei Neugerriemschneider (Linienstraße 155, bis 26. Mai, Dienstag bis Samstag von 11-18 Uhr) aber überwiegt die gute Laune. Der Künstler inszeniert sich hier als Entdecker, der neue Farb- und Formkontinente erschließt. Es ist nur ein Galerieraum, aber den Besucher umströmt Fremde. Als stünde man in einer „Mental Map“

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